Theoretische und methodische Grundlagen der empirischen Musikästhetik

Für die Formulierung integrativer Ansätze zur empirischen Musikästhetik wird im Rahmen dieses Forschungsbereiches theoretische Grundlagenarbeit geleistet, die in die Formulierung neuer Fragestellungen sowie in die Entwicklung von Methoden und Werkzeugen mündet, die disziplinspezifische Anforderungen mit dem Anspruch einer breiten Anschlussfähigkeit verbinden. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse fließen somit in die anderen Forschungsbereiche ein, die ihrerseits konkrete theoretische und methodische Problemstellungen formulieren.

Disziplinäre Verständigung und metawissenschaftliche Perspektiven

Ziel dieses Teilbereiches ist es, Grundlagen für die Verständigung der beteiligten Disziplinen zu legen. Im Rahmen der Analyse des Erkenntnisraums der empirischen Ästhetik können Verbindungen zwischen Disziplinen nachgezeichnet und mögliche Übersetzungsfehler identifiziert werden. Hierbei wird der Frage nachgegangen, inwieweit und auf welche Art und Weise Ergebnisse der empirischen Musikforschung innerhalb der Musikästhetik rezipiert werden und in deren theoretischen Überlegungen Berücksichtigung finden. Demgegenüber bilden empirische Praktiken, zum Beispiel die Verwendung von Musik als Stimulus im Rahmen von Experimentalsituationen, den Gegenstand von Analysen aus einer theoretischen und musikästhetischen Perspektive, um vertiefende Einsichten darüber zu gewinnen, wie empirische Daten sinnvollerweise musikästhetisch zu interpretieren sind. Mithilfe systematischer Übersichtsarbeiten werden Forschungsstände und -desiderate ermittelt und die entsprechenden Ergebnisse für die Nutzung in verschiedenen disziplinären Kontexten aufbereitet. Einen Beitrag zu einem integrativen Forschungsvokabular sollen Begriffsanalysen leisten, die beispielsweise psychologischen Konstrukten historische und musikästhetische Konzepte vergleichend gegenüberstellen und diese fruchtbar aufeinander zu beziehen versuchen.

Entwicklung von Forschungsmethoden und Erhebungsinstrumenten

Ein integrativer Ansatz zur empirischen Musikästhetik steht, insbesondere in Bezug auf das ästhetische Erleben von Musik als einem nur multiperspektivisch fassbaren Forschungsgegenstand, vor spezifischen methodischen und forschungspraktischen Herausforderungen. Er bietet jedoch auch die Möglichkeit, disziplinäre Forschungsfragen aus einer ergänzenden Perspektive zu adressieren. Von dieser Auffassung ausgehend werden beispielsweise Methoden entwickelt, die es ermöglichen, historische Fragestellungen oder unklare Quellenbefunde durch eine historisch informierte Gewinnung empirischer Daten in einem reaktualisierten Kontext zu betrachten und ergänzend zu interpretieren. Für das zentrale Interesse – die Erforschung des musikalischen Erlebens insbesondere in Live-Situationen – werden Methoden und technische Lösungen entwickelt, mithilfe derer psychologische, physiologische und behaviorale Indikatoren möglichst non-invasiv in natürlichen oder natürlich anmutenden Umgebungen zuverlässig gemessen werden können. Daran knüpft schließlich die systematische Entwicklung und Überprüfung von Messinstrumenten an, beispielsweise für die Erforschung des musikalischen Erlebens, des Musikgeschmacks oder der ästhetischen Urteilsbildung.

Dieses Projekt erforscht die Rolle der Absorption während der ästhetischen Erfahrung und Bewertung von verschiedenen Arten von Musik und versucht zugleich, das Konzept einer genuin ästhetischen Form von Absorption zu entwickeln. [mehr]

Die Verwendung von Musik als Stimulus ist ein selbstverständlicher Bestandteil der Praxis empirischer Musikforschung. Dieser soll im Rahmen einer eingehenden Analyse auf den Grund gegangen werden, um schließlich musikalische Stimuli systematisch und umfassend beschreiben zu können. [mehr]

Lustvolle oder intensive Momente beim Musikhören sind häufig an einzelne, als besonders schön empfundene Stellen gebunden. Diese können das Wahrnehmen, Gefallen oder Wertschätzen eines Stückes als Ganzes prägen. Das Projekt untersucht die Verbindungslinien zwischen subjektivem Erleben, musikalisch-akustischen Eigenschaften und der Verbalisierung schöner Stellen in Musik. [mehr]

Es ist davon auszugehen, dass die Erwartungen über den Verlauf eines Musikstückes einer der bedeutenden Auslöser für Emotionen beim Musikhören sind. Daher wird in diesem Projekt untersucht, welcher Natur die Einflussnahme des sogenannten „Gefühlsnetzwerks“ beim Verhandeln musikalischer Erwartungen ist und mit welchem Grad sie wirkt. [mehr]

Ausgehend von einer Diskussion verschiedener Ansätze zu einer situierten Kognition und deren Nutzbarmachung für die Musikforschung soll untersucht werden, welche Rolle unsere körperliche Verfasstheit und unser Eingebunden Sein in eine Umwelt im Zuge des ästhetischen Erlebens von Musik spielt. [mehr]

The neuroscientific research on musical pleasure has so far focused on Western tonal music. It has been associated with activity in the limbic system, distinguishing two main neural activity patterns, probably reflecting phases of either anticipation or peak experience.[more]

Absorption durch Musik setzt voraus, dass Aufmerksamkeit auf die Musik gerichtet wird. Aufmerksamkeit kann als eine Ressource interpretiert werden, die wir mittels Blickbewegungsmessungen und Doppelaufgaben untersuchen. [mehr]

Während der phänomenologische Unterschied zwischen dem wahrgenommenen musikalischen Ausdruck und dem ausgelösten Gefühl beim Musikhören seit langem beschrieben wird, wurden beide Phänomene noch nicht auf neurophysiologischen Ebene im direkten Kontrast untersucht. Die neuronalen Korrelate und ihre physiologischen Marker werden mit bildgebenden Verfahren untersucht. [mehr]

Ausgehend von einem spätmittelalterlichen Topos der Darstellung von Gesangsensembles, für dessen historische Gültigkeit bestätigende Quellen fehlen, werden Methoden des experimentellen Re-enactments entwickelt, um so die lückenhafte historische durch empirische Evidenz zu ergänzen. [mehr]

Dieses Projekt ist der systematischen Aufarbeitung der für die empirische Ästhetik relevanten Zeitschriften gewidmet. Ziel dieses Projektes ist es, Theoriebildungen, Themenschwerpunkte sowie verwendete Methoden zu identifizieren und ihre zeitliche Entwicklung nachzuvollziehen. [mehr]

Neue Musik ist seit ihrer Entstehung von dem Vorwurf begleitet, schwer verständlich, wenn nicht gar unzugänglich zu sein. Und zum Nachpfeifen scheint sie noch viel weniger geeignet, auch wenn sich dies Arnold Schönberg einst gewünscht hatte. [mehr]