Disliked Music

In westlichen Kulturen ist der Musikgeschmack als eine Einstellung oder verfestigte Meinung zu Musik ein wichtiger Faktor des Selbstkonzeptes und der Selbstwahrnehmung. Musik als affektives und expressives Medium dient dabei nicht nur zur Befriedigung von psychischen oder sozialen Bedürfnissen, sondern ist in seiner individuellen Ausprägung von gemochter oder abgelehnter Musik auch ein Mittel zur Konstruktion der eigenen Identität. Bei einer detaillierten Untersuchung des Musikgeschmacks wird jedoch zumeist nur die Seite der gemochten Musik untersucht, während die abgelehnte Musik zwar zum Teil mit erhoben wird, aber bei der Auswertung oder der Konzeptualisierung des Musikgeschmacks nur selten eine Rolle spielt.

In diesem Projekt wird deswegen der Fokus auf die abgelehnte Musik gerichtet. Dabei soll betrachtet werden, welche individuellen Begründungsstrategien für die Ablehnung bestimmter Musik gewählt werden, wie sich diese Begründungen von denen der bevorzugten Musik unterscheiden und welche Funktionen die Ablehnung spezifischer Musik auf persönlicher wie sozialer Ebene erfüllt. Darüber hinaus soll anschließend die Verbindung zwischen musikalischen Abneigungen und dem narrativen Selbst (das Selbst als Selbsterzählung, Erzählungen von Erfahrungen, Erlebnissen und Gedanken für sich selbst und für andere) unter Berücksichtigung verschiedener Grade von Ablehnung untersucht werden. Der Blick dieses Projektes richtet sich dabei weniger auf die jeweils konkret abgelehnten Stile als auf die psychologischen und soziologischen Prozesse, die hinter den individuellen Abneigungen stehen. Methodisch werden daher Techniken der Befragung aus den Bereichen der Musikpsychologie, der Musiksoziologie sowie der Musiktherapie verwendet und miteinander verknüpft.