Ensemble-Synchronisation in westafrikanischer und afrikanisch-diasporischer Musik

Musik und Tanz sind Paradebeispiele für die anthropologische Veranlagung zu intersubjektiver rhythmischer Koordination und Synchronisation (Entrainment). Entrainment fördert die Konstitution des Sozialen (Kooperation, Gemeinschaftsbindung) und das Erleben von Affekt und Lust auch jenseits künstlerischer Ausdrucksformen: von der festlich überhöhten Gemeinschaftsarbeit in bäuerlichen Gesellschaften über Rituale bis hin zu militärischem Drill.

Die empirische Forschung zu musikalischer Ensemble-Synchronisation beschränkt sich bislang weitgehend auf europäische Kunstmusik; das Projekt untersucht Djembe-Musik aus Mali sowie afrikanisch-diasporische Percussion-Ensembles und Rhythmusgruppen. Eine erste Phase widmet sich der Analyse des Ensemble-Timings in Korpora live eingespielter Studio-Aufnahmen. Wir messen Ausmaß, Patterns und Variabilität der Asynchronien zwischen Klangereignissen, die verschiedene Ensemblemitglieder in derselben metrischen Position platzieren, und modellieren die mikrorhythmischen Anpassungsprozesse (Phasenkorrektur), durch welche intersubjektive Synchronisation trotz natürlicher und intendierter Timing-Schwankungen erst möglich wird. Dabei untersuchen wir die Hypothese vorwiegend rollenbasierten Verhaltens, z.B. im Verhältnis von Begleitung und Führstimme, und prüfen den potentiellen Einfluss individueller Unterschiede. In einer zweiten Phase sollen Laborexperimente erhellen, welche Rolle Synchronie bzw. Asynchronien für die ästhetische Bewertung von Ensemblerhythmen spielen und inwiefern diverse Musikstile und Hörerschaften sich hierbei unterscheiden.

Externe Forschungspartner: Nori Jacoby (Columbia), Justin London (Carleton), Luis Jure und Martín Rocamora (Montevideo) sowie Kelly Jakubowski, Martin Clayton und Tuomas Eerola vom AHRC-Projekt Interpersonal Entrainment in Music Performance (Durham)

Publikationen

Polak, R., Jacoby, N., & London, J. (2016). Both isochronous and non-isochronous metrical subdivision afford precise and stable ensemble entrainment: A corpus study of Malian jembe drumming. Frontiers in Neuroscience, 10, 285. DOI: 10.3389/fnins.2016.00285