Entwicklung des musikalischen Arbeitsgedächtnisses

Unsere verhaltensbezogene Charakterisierung des musikalischen Arbeitsgedächtnisses hat gezeigt, dass erwachsene Musiker:innen eine überlegene Fähigkeit zur Aufrechterhaltung und Manipulation musikalischer Reize besitzen. Charakteristisch für Expert:innen ist ein langfristiges, gezieltes musikalisches Üben (Ericsson, 2015; Ward et al., 2007).

Im Rahmen longitudinaler und querschnittlicher Untersuchungen mit Kindern im Alter von sechs, acht, zehn, zwölf, 14 und 16 Jahren verfolgen wir das Ziel, die Entwicklung des musikalischen Arbeitsgedächtnisses (AG) zu beschreiben. Dabei stehen unter anderem folgende Fragen im Fokus:

  • Verläuft die Entwicklung des musikalischen AG linear oder durchläuft sie bestimmte Stadien? Und wie lassen sich diese charakterisieren?
  • Lassen sich Reifungsprozesse von Trainingseffekten trennen? In welchem Verhältnis stehen musikalische Ausbildung und Alter, um die AG-Fähigkeiten erwachsener Nicht-Musiker:innen zu erreichen?
  • Wie entstehen Transfer-Effekte des AG und wie entwickeln sie sich in Abhängigkeit von Alter und musikalischem Training?

 

Gesunde Kinder mit formaler musikalischer Ausbildung bilden die Gruppe der Musiker:innen, während Kinder mit anderen Freizeitaktivitäten die Vergleichsgruppe der Nicht-Musiker:innen darstellen. Beide Gruppen bearbeiten eine spielerisch gestaltete Version der Computer Adaptive Testing-Aufgaben (CAT) zur Behaltens- und Manipulationsleistung, wie sie in der verhaltensbezogenen Charakterisierung des musikalischen Arbeitsgedächtnisses entwickelt und validiert wurden. In der kindgerechten Handlung der Aufgabe helfen die Teilnehmenden dabei, „Musiker-Roboter“ zu reparieren, die durch einen elektrischen Sturm beschädigt wurden. Dieses gamifizierte Paradigma wurde in PsyNet entwickelt und als quelloffenes, anpassbares Forschungstool konzipiert. Zusätzlich werden kurze Fragebögen zu demografischen Angaben, allgemeiner Intelligenz (z. B. Wechsler Intelligence Scale for Children, WISC-V; Kaufman et al., 2015), musikalischer Erfahrung (eine kindgerechte Kurzfassung des Goldsmiths Musical Sophistication Index; Buren et al., 2025) sowie musikalischer Fähigkeit (z. B. Montreal Battery of Evaluation of Musical Abilities, MBEMA; Peretz et al., 2013) erhoben. Die Studie erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Musikschulen, Grundschulen und weiterführenden Schulen in der Frankfurter Region.

Referenzen

Buren V, Müllensiefen D, Degé F (2025) Screening musicality in children: Development and initial validation of a new tool for rapid assessment of musical profiles. PLoS ONE, 20(3): e0317962.
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0317962

Ericsson, K. A. (2015). Acquisition and maintenance of medical expertise: a perspective from the expert-performance approach with deliberate practice. Academic Medicine, 90(11), 1471–1486.
https://doi.org/10.1097/ACM.0000000000000939

Kaufman, A. S., Raiford, S. E., & Coalson, D. L. (2015). Intelligent testing with the WISC-V. John Wiley & Sons.

Peretz, I., Gosselin, N., Nan, Y., Caron-Caplette, E., Trehub, S. E., & Béland, R. (2013). A novel tool for evaluating children's musical abilities across age and culture. Frontiers in Systems Neuroscience, 7, 30.
https://doi.org/10.3389/fnsys.2013.00030

Ward, P., Hodges, N. J., Starkes, J. L., & Williams, M. A. (2007). The road to excellence: Deliberate practice and the development of expertise. High Ability Studies, 18(2), 119–153.
https://doi.org/10.1080/13598130701709715