Genetische Marker für musikalische Begabung

Jahrzehntelange Zwillingsstudien, darunter auch Arbeiten unseres Teams, haben gezeigt, dass musikalische Begabung und andere musikbezogene Verhaltensweisen teils genetisch bedingt sind, wobei die Vererblichkeit auf etwa 40 Prozent geschätzt wird. Erst seit Kurzem ermöglichen Fortschritte in der DNA-Forschung die Identifizierung spezifischer genetischer Varianten, die menschliche Eigenschaften und Verhaltensweisen prägen. In der Erforschung genetischer Grundlagen musikbezogenen Verhaltens anhand von DNA-Daten ist unser Team eines der führenden weltweit. Durch molekulare Analysen (zum Beispiel GWAS und polygenetische Score-Analysen) untersuchen wir, wie und auf welchem Weg assoziierte genetische Varianten zu musikbezogenem Verhalten beitragen. Anhand eines einzigartigen Beispiels haben wir die DNA von Ludwig van Beethoven analysiert, um die Herausforderungen und Grenzen aufzuzeigen, die sich bei genetischen Vorhersagen auf individueller Ebene ergeben. Unser Team am MPIEA arbeitet an der Erstellung des ersten genetischen Registers von sowohl lebenden als auch bereits verstorbenen Berufsmusiker:innen. Unter ihnen sind auch einige weltberühmte Komponist:innen. Darüber hinaus gehören wir zu den Gründer:innen, Vorsitzenden und Hauptanalyst:innen des internationalen Musicality Genomics Consortium, das eine große Metagenom-weite Assoziationsstudie (GWAS) durchführt, um genetische Varianten zu identifizieren, die musikalische Leistung beeinflussen. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, unser Verständnis der genetischen Pfade zu vertiefen, die musikalische Eigenschaften und Verhaltensweisen prägen.

Publikationen

Wesseldijk, L.W., Abdellaoui, A., Gordon, R.L. et al. Using a polygenic score in a family design to understand genetic influences on musicality. Sci Rep 12, 14658 (2022).
https://doi.org/10.1038/s41598-022-18703-w

Niarchou, M., et al. (2022). Genome-wide association study of musical beat synchronization demonstrates high polygenicity. Nature Human Behaviour, 6(9), 1292–1309.
https://doi.org/10.1038/s41562-022-01373-8

Gustavson, D. E., Coleman, P. L., Wang, Y., Nitin, R., Petty, L. E., Bush, C. T., Mosing, M. A., Wesseldijk, L. W., Ullén, F., 23 and Me Research Team, Below, J. E., Cox, N. J., & Gordon, R. L. (2023). Exploring the genetics of rhythmic perception and musical engagement in the Vanderbilt Online Musicality Study. Annals of the New York Academy of Sciences, 1521(1), 140–154.
https://doi.org/10.1111/nyas.14964

Mosing, M. A., Pedersen, N. L., Madison, G., & Ullén, F. (2014). Genetic pleiotropy explains associations between musical auditory discrimination and intelligence. PloS one, 9(11), e113874.
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0113874

Wesseldijk, L. W., Mosing, M. A., & Ullén, F. (2024). Gene-environment interaction in expertise acquisition: Practice effects on musical expertise vary by polygenic scores for cognitive performance. Heliyon, 10(14), e34264.
https://doi.org/10.1016/j.heliyon.2024.e34264