Ästhetisches Erleben von Musik:
Einfluss-Faktoren auf Individuums- und Gruppenebene

Die Beobachtung, dass ein und dasselbe ästhetische Objekt von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich bewertet wird, ist schon in der Antike thematisiert und diskutiert worden. Ebenso, dass Menschen sich in Bezug auf ihre mehr oder minder stabilen Vorlieben oder Abneigungen gegenüber ästhetischen Objekten und Objektklassen unterscheiden. Forschung dazu hat eine Reihe psychologischer und soziologischer Faktoren diskutiert, die individuelle Präferenzen und ästhetische Urteile beeinflussen.

Wir erweitern das auf verschiedene Weise. So erforschen wir nicht nur Effekte auf das Urteil, sondern auch Unterschiede in der Wahrnehmung und im ästhetischen Erleben. Außerdem berücksichtigen wir neben sozial auch kulturell unterschiedliche Gruppen.

 

Forschungsprojekte

Informiertes Hören – Der Einfluss von Wissen über Musik auf die Wahrnehmung und Bewertung von Musik

In jedem Konzert, beim Hören einer CD und während einer Radiosendung wird auf Aspekte des ›listening mode‹ und der ästhetischen Einstellung des Hörenden unmittelbar Einfluss genommen. Seien es nun Programmhefttexte, Booklets oder die Kommentare des Moderators, bei all diesen Textgattungen wird die Expertise, das Wissen des Hörers verändert und die Aufmerksamkeit des Hörers abhängig vom gewählten Inhalt der Texte neu fokussiert.

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Musik ist nicht die universale Sprache der Gefühle: Evidenz aus einem kulturvergleichenden Experiment

Die Idee, Musik sei nicht nur die Kunst der Töne und Klänge, sondern so etwas wie eine universale „Sprache“ der Gefühle ist bis heute sowohl in der allgemeinen Meinung wie in wissenschaftlicher Forschung weit verbreitet. Diese Auffassung lässt sich bis zu den philosophischen Debatten über den Ursprung von Sprache und Musik im 18. Jahrhundert zurückverfolgen (v.a. bei Rousseau, Herder und Forkel).

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Rhythmus im Kulturvergleich

Dieses Projekt untersucht die Wahrnehmung und Performanz von musikalischem Rhythmus in verschiedenen Kulturen. Es vergleicht sie im Hinblick auf ihren Grad der kulturübergreifenden Ähnlichkeit bzw. Verschiedenartigkeit und erlaubt damit eine empirisch fundierte Diskussion anthropologischer Universalien und kultureller Diversität.

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Mimik in Gesangsdarbietungen

Die Überzeugung, dass zwischen musikalischen Inhalten und der Mimik und Gestik von Vortragenden eine wesentliche Relation bestehe, so dass „ein grosses Stück der Music“ in der Gebärden-Kunst liege (Johann Mattheson), gehörte insbesondere im 18. Jahrhundert zu den Topoi aufgeklärter Musikästhetik. Mimik und Gestik wurden in der Tradition antiker Rhetorik als gewichtige Bestandteile einer expressiven musikalischen „Klang-Rede“ begriffen.

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Singen mit Körperkontakt: Ein Motiv spätmittelalterlicher Gesangsikonographie und sein experimentelles Re-enactment

Musik- und Kunsthistorikern, die sich mit dem Spätmittelalter und der Renaissance beschäftigen, ist die typische bildliche Darstellung von Sängerensembles wohl vertraut: Die Sänger versammeln sich um ein einziges Pult oder Manuskript und stehen dabei dicht gedrängt.

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Pop, Rock, Schlager – Der aktuelle Musikgeschmack der deutschen Bevölkerung

In der Musikgeschmacks-Forschung wird immer wieder auf Daten aus repräsentativen nationalen Umfragen zurückgegriffen. Kaum je aber ist der jeweilige Fragebogen von den Forschern selbst erstellt oder explizit zur Erhebung von Musikgeschmack entworfen.

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Publikationen

Fischinger, T., Kaufmann, M., & Schlotz, W. (2018). If it’s Mozart, it must be good? The influence of textual information and age on musical appreciation. Psychology of Music. Advance online publication. doi:10.1177/0305735618812216

Polak, R., Jacoby, N., Fischinger, T., Goldberg, D., Holzapfel, A., & London, J. (2018). Rhythmic Prototypes Across Cultures: A Comparative Study of Tapping Synchronization. Music Perception, 36(1), 1–23. doi:10.1525/mp.2018.36.1.1

Polak, R., Tarsitani, S., & Clayton, M. (2018). IEMP Malian Jembe. A collection of audiovisual recordings of Malian jembe ensemble performances, with detailed annotations. Open Science Framework (OSF). doi:10.17605/OSF.IO/M652X

Jacoby, Nori und Josh H. McDermott. 2017. Integer Ratio Priors on Musical Rhythm Revealed Cross-Culturally by Iterated Reproduction. Current Biology 27(3): 359–70. doi:10.1016/j.cub.2016.12.031.

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Neuhoff, H., Polak, R., & Fischinger, T. (2017). Perception and Evaluation of Timing Patterns in Drum Ensemble Music from Mali. Music Perception, 34(4), 438–451. doi:10.1525/mp.2017.34.4.438

Grimm, H., Fünderich, J., & Lange, E.B. (August, 2017). How is the perceived musical expressivity of singers affected by their mimic and gestural interpretation? 25th Anniversary Edition of the European Society for the Cognitive Sciences of Music (ESCOM), Ghent, Belgium.

Polak, R., Jacoby, N., & London, J. (2016). Both isochronous and non-isochronous metrical subdivision afford precise and stable ensemble entrainment: A corpus study of Malian jembe drumming. Frontiers in Neuroscience, 10, 285. doi:10.3389/fnins.2016.00285

Polak, R., Jacoby, N., & London, J. (2016). Kulturelle Diversität in  der empirischen Rhythmusforschung: Drei Analysen eines Audio-Korpus von Percussion-Ensemblemusik aus Mali. Zeitschrift der Gesellschaft für Musiktheorie, 13(2).