„Wirkungsästhetik der Liturgie“ (WæL)

„Wirkungsästhetik der Liturgie“ (WæL) untersucht die Wahrnehmung und Wirkung ästhetischer Praktiken und Objekte in der soziokulturellen Rahmung religiöser Performanzen, und zwar konkret am Beispiel römisch-katholischer Gottesdienste.

Ästhetische Praktiken und Objekte – also das Sicht-, Hör-, Riech- und Schmeckbare – sind von fundamentaler Bedeutung für Liturgie als Ritual.  Viele der Elemente und Vollzüge in der Eucharistiefeier oder der Tagzeitenliturgie verwirklichen ihren Zeichencharakter durch ihre ästhetische Gestaltung: die Farben der Gewänder können die jeweilige Zeit im liturgischen Jahr anzeigen; eine musikalische Gestaltung mit Chor und Orchester ist Zeichen besonderer Festlichkeit. Liturgische Vollzüge zielen aber auch auf individuelle und kollektive psychische Wirkungen: etwa Gefühle wie Freude, Trost, Reue oder Dankbarkeit; Gemeinschaftserleben; oder Haltungen wie Sammlung, Verehrung oder Anbetung.

Freilich bestehen in der theologischen Diskussion und in lehramtlichen Äußerungen sowie in der liturgischen Praxis verschiedene Deutungen und Verständnisse über konkrete Zeichenbedeutungen und Wirkungshypothesen; ja, gewisse Diskurstraditionen sehen in einer zu elaborierten ästhetischen Gestaltung sogar eine Gefahr für den religiösen Charakter. Seit der Liturgiereform im Gefolge des II. Vatikanischen Konzils finden sich zudem erstmals Vorgaben für konkrete Wirkungsabsichten einiger liturgischer Struktureinheiten.

Doch empirische Forschungen zur tatsächlichen Wahrnehmung und Wirkung liturgischer Ästhetiken sowie eine liturgietheologische Aufarbeitung der mit den Wirkungshypothesen verbundenen Fragen  fehlen bislang.

Hier setzt unser Vorhaben an: Erstmals werden Zusammenhänge zwischen der konkreten ästhetischen Form liturgischer Zeichen und Vollzüge anhand der aktuellen kirchlichen Gottesdienstpraxis und dem damit korrespondierenden individuellen und gemeinschaftlichen Wahrnehmen und Erleben aufgewiesen.

 

Auf der Basis theoretischer Grundlagenarbeit werden dazu Umfragen, Feldforschungen und Studien im Labor durchgeführt. Dies geschieht im Kontext bereits bestehender Forschung – etwa in der Religions-, Kognitions-, Emotions- und Sozialpsychologie, der Meditationsforschung sowie der Semiotik und Theaterwissenschaft.

Somit ist WæL ein Vorhaben der Grundlagenforschung im transdisziplinären Dialog zwischen theologischen, geistes- und humanwissenschaftlichen Disziplinen.

WæL ist eine Kooperation zwischen der Abteilung Musik des MPI für empirische Ästhetik und dem Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft der Theologischen Fakultät Trier und dem Deutschen Liturgischen Institut, Trier (Prof. Dr. Klaus Peter Dannecker).

Externer Forschungspartner

Dr. Sven Boenneke (Abteilungsleiter Liturgie, Erzbischöfliches Ordinariat Bamberg)

Publikationen

Dannecker, Klaus Peter & Wald-Fuhrmann, Melanie (2018). Wirkungsästhetik: Ein neuer Ansatz für eine transdisziplinäre empirische Liturgieforschung. Liturgisches Jahrbuch. Vierteljahreshefte für Fragen des Gottesdienstes 68 (2), 83 - 108.

 

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