Fachgeschichte der deutschsprachigen Musikwissenschaft von ca. 1810 bis ca. 1990

Die Musikwissenschaft führt sich einerseits auf die Antike zurück und versteht sich als Teil der Artes liberales, gehört aber anderseits zu den Disziplinen, die erst mit der Ausdifferenzierung der Wissenschaften zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihre Ausbildung und Institutionalisierung als universitäres Fach erfahren haben. Ausgehend von Österreich und Deutschland hat sie sich dann im Laufe des 20. Jahrhunderts unter je eigenen Bedingungen und Motivationen in vielen anderen Ländern der Welt etabliert. Wie für jede, besonders geisteswissenschaftliche Disziplin spielen auch für die Musikwissenschaft die jeweiligen ideologischen, kulturellen, politischen und sozialen Bedingungen eine entscheidende Rolle für den Zuschnitt des Faches und beeinflussen die Wahl von Themen und Methoden sowie Interpretationspräferenzen und Grenzziehungen zu anderen Disziplinen. Man kann daher Musikwissenschaft verantwortet nur betreiben oder gar weiterentwickeln, wenn man sich ihrer Geschichte bewusst ist.

In den letzten Jahrzehnten sind in der Musikwissenschaft viele Initiativen entstanden, die Geschichte des eigenen Instituts aufzuarbeiten, sich mit einem prägenden Fachvertreter zu beschäftigen oder einen bestimmten Zeitabschnitt näher in den Blick zu nehmen. Einige größere Forschungsprojekte untersuchen zudem übergreifende Perspektiven. Ergänzend dazu hat das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik ein Projekt etabliert, das existierende Ansätze und Aufarbeitungen in Verbindung mit eigenen Forschungen zu einer Geschichte der institutionalisierten deutschsprachigen Musikwissenschaft an Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen zusammenführt.

Grundlage bildet eine kontinuierlich erweiterte Datensammlung. Auf deren Basis bringen Quer- und Längsschnittstudien in Form von Monographien, Sammelbänden, Lexika und Handbüchern das Wissen in Zusammenhänge und stehen der Fachöffentlichkeit für weitere Forschungen zur Verfügung.

Das Projekt kooperiert eng und kontinuierlich mit Fachvertretern sowie einem wissenschaftlichen Beirat.

 

Teilprojekte

Wissenschaftliches NETZWERK FACHGESCHICHTE MUSIKWISSENSCHAFT

In Kooperation mit der Gesellschaft für Musikforschung (GfM) wird ein Forschungsnetzwerk gepflegt sowie die zugehörige Website betreut.

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HIStory of MUSicoLOGy data base

Mit dem Aufbau einer Datenbank zur Geschichte der deutschsprachigen Musikwissenschaft sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um Thesen zur Fachgeschichte auf Grundlage eines umfangreichen, wissenschaftlich aufgearbeiteten Datenmaterials formulieren und belegen zu können.

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Schriftenreihe Spektrum Fachgeschichte Musikwissenschaft

Die im Bärenreiter-Verlag, Kassel, erscheinende Schriftenreihe Spektrum Fachgeschichte Musikwissenschaft erweitert die Grundlagen der Fachhistoriographie und gibt ihr ein Forum. Herausgeberin ist Melanie Wald-Fuhrmann.

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Gastprojekt: Die Schaffung einer akademischen Disziplin. Eduard Hanslick, Guido Adler und die Etablierung musikwissenschaftlicher Methodologie im Wien des 19. Jahrhunderts

Das vorliegende Forschungsprojekt untersucht die gleichzeitige Entstehung von Musikwissenschaft und Kunstgeschichte als akademische Disziplinen an der Universität Wien im Rahmen einer durch Leopold Graf von Thun und Hohenstein (1811–1888) geleiteten Unterrichtsreform.

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Publikationen

in Vorbereitung: Wald-Fuhrmann, M. (Ed.) (2022). Umfang, Methode und Ziel. Eine kommentierte Edition von Konzeptionen der Musikwissenschaft. Kassel und Berlin: Bärenreiter/Metzler.

in Vorbereitung: Wald-Fuhrmann, M. (2022). Art. Musikwissenschaft in: MGG Online, hrsg. von Laurenz Lütteken, Kassel, Stuttgart, New York 2016ff., veröffentlicht Juli 2015. In L. Lütteken (Ed.), MGG Online. Kassel, Berlin, New York: Bärenreiter/ Metzler (Springer)/ RILM.

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Wald-Fuhrmann, M. (2021). Empirische Ansätze zur Erforschung musikalischen Ausdrucks. In J. Stolzenberg (Ed.), Ausdruck in der Musik. Theorien und Formationen (pp. 56–82). München: Edition text und kritik.

Wald-Fuhrmann, M. (2020). Die Bedeutung von Musiksammlungen für die Entstehung der Musikwissenschaft. In Sammeln - Musizieren - Forschen. Zur Dresdner höfischen Musik : Bericht über das internationale Kolloquium vom 21. bis 23. Januar, (pp. 1-16). doi:10.25366/2020.32

van Dyck-Hemming, A., Eberhardt, J., & Wald-Fuhrmann, M. (2020). Ansätze zur Analyse historischer Netzwerke mit Neo4j® – Aus der Projekt-Werkstatt der Datenbank zur Fachgeschichte der Musikwissenschaft. In S. Acquavella-Rauch, A. Münzmay, & J. Veit (Eds.), Brückenschläge zwischen Musikwissenschaft und Informatik. Theoretische und praktische Aspekte der Kooperation (Vol. Musikwissenschaft: Aktuelle Perspektiven, Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung Osnabrück 2018 und Paderborn 2019, Band 3, pp. 1–18). doi:10.25366/2020.107

Haider, T. N., Dyck-Hemming, A. v., & Eberhardt, J. (2020). Extracting a Social Network of Musicologists. Poster presented at the Digital Humanities 2020 - Intersections/Carrefour, Ottawa, Canada. https://dh2020.adho.org/wp-content/uploads/2020/07/577_ExtractingaSocialNetworkofMusicologists.html

Wald-Fuhrmann, M. (2019). Komplement und Korrektiv: Empirie als Teil einer transdisziplinären Musikästhetik. Musik & Ästhetik, 23(91), 84-88.

Stefan Keym und Melanie Wald-Fuhrmann (Eds.). (2018). Wege zur Musikwissenschaft. Gründungsphasen im internationalen Vergleich / Paths to Musicology. Founding Phases in International Comparison. Kassel: Bärenreiter; Stuttgart: Metzler. E-Book: https://www.baerenreiter.com/shop/produkt/details/DBV00240-01/

Fischinger, T. (2018). Vorreiter einer empirischen Ästhetik: Anmerkungen zur Studie «Die natürliche Stimmung in der modernen Vokalmusik» (1893) von Max Planck. Neue Zeitschrift für Musik (01), 27–29.

Greb, F., Elvers, P., & Fischinger, T. (2017). Trends in empirical aesthetics: A review of the journal "Empirical Studies of the Arts" from 1983 to 2014. Empirical Studies of the Arts, 35 (1), 3-26. doi:10.1177/0276237415625258.

Dyck-Hemming, A. v., & Wald-Fuhrmann, M. (2016). Vom Datum zum historischen Zusammenhang. Möglichkeiten und Grenzen einer fachgeschichtlichen Datenbank. In S. Bolz, M. Kelber, I. Knoth, & A. Langenbruch (Eds.), Wissenskulturen der Musikwissenschaft: Generationen - Netzwerke - Denkstrukturen (pp. 261–278). Bielefeld: transcript.

Wald-Fuhrmann, M. (2015). Musik in der Buchkultur. Sammeln, Musizieren, Präsentieren. In N. Schwindt (Ed.), Die Musik in der Kultur der Renaissance. Kontexte, Disziplinen, Diskurse (pp. 363–397). Laaber: Laaber-Verlag.

Wald-Fuhrmann, M. (2013). Musik und Subjektivität. In M. Calella & N. Urbanek (Eds.), Historische Musikwissenschaft. Grundlagen und Perspektiven (pp. 289–306). Stuttgart et al.: Metzler.

Wald-Fuhrmann, M. (2013). Musikwissenschaft. In G. Rippl, & S. Winko (Eds.), Handbuch Kanon und Wertung: Theorien, Instanzen, Geschichte (pp. 371-386). Stuttgart: Metzler.

Pietschmann, K., & Wald-Fuhrmann, M. (Eds.). (2013). Der Kanon der Musik. Theorie und Geschichte. Ein Handbuch. München: edition text + kritik.

Mitarbeiter/innen

Melanie Wald-Fuhrmann

Prof. Dr. Melanie Wald-Fuhrmann

Musik

Direktorin

+49 69 8300479-200

E-Mail

Dr. Annette van Dyck-Hemming

Musik

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

+49 69 8300479-204

E-Mail