Neural Correlates of Contemporary Classical Music: Can Uncertainty lead to Pleasure?

Die neurowissenschaftliche Erforschung von musikalischem Genuss hat sich bisher auf westlich tonale Musik konzentriert und wurde mit Aktivität im limbischen System in Verbindung gebracht. Dabei konnten zwei neuronale Aktivitätsmuster unterschieden wurden: einerseits eine Phase der Antizipation und andererseits eine Phase, welche die Höhepunkterfahrung repräsentiert. Dies führte die Forschung zu der Annahme, dass Vorhersagemechanismen zentral sind, um Emotionen und Erregung beim Musikhören zu induzieren, insbesondere aufgrund der Erzeugung von Vorhersagen und ihrer Verletzungen.

Neue Musik ist jedoch sowohl durch das Fehlen eines regelmäßigen Metrums als auch einer tonalen Struktur gekennzeichnet. Für die mit musikalischem Genuss in Verbindung stehenden neuronalen Prozesse stellt sie damit einen hochgradig komplexen und tendentiell schwer vorherzusagenden (musikalischen) Stimulus dar. Es stellt sich daher die Frage, wie diese erlebte Unsicherheit zu musikalischem Genuss führt und um welche Art von Genuss es sich dabei handelt.

Die vorliegende Studie zielt darauf ab, ein besseres Verständnis über das ästhetische Erleben von Musik zu erhalten, indem ein musikalischer Stil unter die Lupe genommen wird, der einem wesentlich anderen ästhetischen Paradigma folgt als westlich tonale Musik. Im Rahmen neuroästhetischer Forschung soll dies vor allem dazu beitragen, neuronale Korrelate musikästhetischen Erlebens zu identifizieren. Im Kontext neurowissenschaftlicher Grundlagenforschung kann die Studie zu einem Verständnis darüber beitragen, wie sich Individuen an unsichere (auditive) Umgebungen anpassen können und wie sich neuronale Mechanismen und Prozesse gestalten, die mit einer Wertschätzung solcher Umgebungen assoziiert sind.