Konzertforschung

Musik wird in einer Vielzahl von sozialen und interaktiven Situationen erfahren und erlebt. Innerhalb dieser Situationen bildet das Konzert einen Sonderfall, denn es gibt einen Rahmen vor, der der Aufführung und dem gemeinsamen Erleben von Musik dient und dabei die Anwesenden deutlich in Aufführende und Publikum trennt. 
Wir sehen das Konzert – und hier insbesondere das sehr einflussreiche, weit verbreitete und restriktive Konzert westlicher Kunstmusik – als einen wichtigen Forschungsgegenstand der empirischen Ästhetik. Dabei steht das ästhetische Erleben im Konzert im Mittelpunkt: Wie wird Musik im Konzert erlebt – von der spielenden Musikerin, dem Komponisten und den Mitgliedern des Publikums? Was sind die wesentlichen Bestandteile ästhetischer Erfahrung im Konzert? Und welchen Einfluss haben die mit ihm assoziierten sozialen Normen und Handlungsformen auf die verschiedenen Akteure und ihre Erlebnisse?
Damit liefert dieses Projekt auch einen wichtigen Beitrag zur Grundlagenforschung des ästhetischen Erlebens.
In unserer Forschung verwenden wir vielfältige Methoden, von Fragebögen und Interviews bis hin zur minimalinvasiven Erhebung von physiologischen, Verhaltens- und Bewegungsdaten, die Zugang zu individuellen Formen ästhetischen Erlebens im Konzert bieten. Wir führen Studien im ArtLab und im Feld, im Konzertsaal und Veranstaltungsräumen durch. Für Forschungskonzerte kooperieren wir mit institutionellen Partnern insbesondere aus der Frankfurter Region, wie dem Ensemble Modern und der Frankfurter Museumsgesellschaft.

Aktuelle Projekte

Applaus

Applaus scheint ein grundlegendes Bedürfnis von Zuschauern und Zuhörern zu sein, doch trotz des einfachen Vorgangs des In-die-Hände-Klatschens ist das Phänomen sehr vielschichtig: im Zentrum dieses Projekts stehen die normativen, affirmativen und gemeinschaftsstiftenden Kräfte des Klatschens. [mehr]

Musikalische Mimik und Gestik

Das Projekt ist vor allem auf unterschiedliche Funktionen und Wirkungsweisen von Mimik und Gestik bei der Rezeption einer konzertanten musikalischen Performance gerichtet. Die empirische Studie zielt insbesondere auf Erkenntnisse über die Wertigkeit von Mimik und Gestik für das Verständnis von Musik, für die Qualität des musikalischen Erlebens sowie für die Gesamtbeurteilung einer musikalischen Darbietung. [mehr]

Experimentelle Konzertforschung

Im Zuge des gemeinsam mit den Kooperationspartnern Hauke Egermann (York), Martin Tröndle (Friedrichshafen), Wolfgang Tschacher (Bern) und Folkert Uhde (Berlin)  eingeworbenen und von der Volkswagen Stiftung [mehr]

Partizipation im Konzertsaal

Dieser Forschungsschwerpunkt untersucht, wie „Publikumsbeteiligung“ – also partizipatorische Elemente einer Aufführung – das (ästhetische) Erleben der einzelnen Mitglieder des Publikums beeinflussen. Die Forschung bildet einen besonders interessanten Fall der Publikumsforschung, weil bestimmte Regeln der Aufführung – im klassischen Konzert etwa die, dass das Publikum still ist, sitzt und nur minimales Feedback gibt – außer Kraft gesetzt werden. [mehr]

SAMPLE - Situierte Aspekte musikalischer Praxis in einer Längsschnittstudie

In jüngster Zeit wurden Forschungen zum gemeinsamen Musizieren aus der Perspektive situierter Ansätze durchgeführt, die traditionelle kognitivistische Sichtweisen kritisieren. Dabei wurde insbesondere die Bedeutung präreflektiver, dynamischer und enaktiver Prozesse gegenüber kognitiven Prozessen höherer Ordnung und mentalen Repräsentationen betont. [mehr]

SAME – Situierte Aspekte des Musik-Erlebens

In einer Reihe von Konzerten werden Dimensionen des Musik-Erlebens der Publikumsmitglieder erforscht. Hierzu werden von Zuhörern, die eine unterschiedliche Hörerfahrung in Bezug auf die jeweils dargebotene Musik mitbringen, Selbstauskünfte und Verhaltensdaten erhoben. [mehr]