Projekt „Applaus“

Applaus scheint ein grundlegendes und natürliches Bedürfnis von Zuschauern und Zuhörern zu sein, doch trotz des eigentlich einfachen Vorgangs des In-die-Hände-Klatschens ist das Phänomen ein sehr vielschichtiges. Applaus kann verschiedenste Dinge demonstrieren und grundsätzlich, bei jedweder Art von performance, den Graben zwischen Bühne und Publikum – so es ihn denn gibt – überbrücken. Zudem stellt das Klatschen seit jeher eine rituelle, öffentliche Reaktion mit symbolischer Bedeutung dar.
Im Fokus der Forschung stehen hier Fragen nach dem Verhältnis von Individuum und Masse, von Kollektivität und Abgrenzung: Wie beginnt Applaus und wie endet er? Warum applaudiert der oder die Einzelne? Wann und wie schnell entscheidet man, ob man applaudiert? Und: ist dem Einzelnen bewusst, dass es meistens keinen Unterschied macht, ob die eine Person applaudiert oder nicht? Auch Fragen nach der sozialen Rolle von Applaus stellen sich, vor allem in scharf regulierten, restriktiven Umgebungen wie dem klassischen Konzert, wo Applaus als Sublimation aller anderen Reaktionen die einzige erwünschte Publikumsäußerung ist. Hier entspricht das Applaudieren besonders einem physischen Bedürfnis zur Verarbeitung kollektiver Emotionen (Hanns-Werner Heister spricht von „Triebabfuhr“), und die normative Rolle von Applaus wird besonders deutlich.
Grundsätzlich wird sich das Projekt im Rahmen des Forschungsbereichs Konzertforschung dem vielschichtigen Phänomen Applaus von musiksoziologischer, empirischer, sozial- und zivilisationsgeschichtlicher, anthropologischer sowie ästhetischer Seite nähern.