Partizipation im Konzertsaal

Partizipatorische Aufführungen sind zurzeit, auch im Bereich der klassischen Musik, angesagt. Doch was passiert mit dem Menschen im Publikum, wenn sie auf einmal zu Mitwirkenden werden? Wie verändert sich ihr Erleben der Musik und des Konzerts?
Die praxisorientierte Forschung zu partizipativer Musik bildet einen Sonderfall der Publikumsforschung, weil hier bestimmte Regeln der Aufführung – im klassischen Konzert etwa die, dass das Publikum still ist, sitzt und nur minimales Feedback gibt – außer Kraft gesetzt werden.
Ein erstes Projekt war die Untersuchung der CONNECT-Konzerte, die im Herbst 2016 mit drei verschiedenen Ensembles (Ensemble Modern, London Sinfonietta, ASKO Schönberg) in drei europäischen Städten (Frankfurt am Main, London, s’Hertogenbosch) stattgefunden haben. Die beiden dafür komponierten Werke arbeiten auf unterschiedliche Art und Weise mit der Beteiligung des Publikums an der Aufführung. Mittels der Erhebung ethnographischer Daten (Beobachtung und Interviews) sowie einer Fragebogenstudie in allen drei Städten suchte die Forschung Antworten auf folgende Fragen:
•    Was bedeutet Partizipation für das jeweilige Publikum?
•    Welchen Einfluss hat die Publikumsbeteiligung auf das Erleben der Publikumsmitglieder?
•    Was kann Publikumsbeteiligung erreichen (und was nicht)?
Auch CONNECT 2018 wurde teilweise ausgewertet, doch im Zuge praxisorientierter Forschung besteht weiterhin ein enger Austausch mit den teilnehmenden Ensembles im Hinblick auf das nächste Projekt der CONNECT-Reihe, CONNECT 2020. Eine erste Publikation in Kooperation mit John Sloboda, Guildhall School of Music, ist im Erscheinen.


Publ.: Toelle, J. & Sloboda, J. (2019, under revision). The Audience as Artist? The Audience's Experience of Participatory Music. Musica Scientiae.