SAMPLE - Situierte Aspekte musikalischer Praxis in einer Längsschnittstudie

In jüngster Zeit wurden Forschungen zum gemeinsamen Musizieren aus der Perspektive situierter Ansätze durchgeführt, die traditionelle kognitivistische Sichtweisen kritisieren. Dabei wurde insbesondere die Bedeutung präreflektiver, dynamischer und enaktiver Prozesse gegenüber kognitiven Prozessen höherer Ordnung und mentalen Repräsentationen betont. Vor diesem Hintergrund und mithilfe einer zuvor entwickelten Systematik untersucht diese Studie situierte Aspekte des Musik-Erlebens beim gemeinsamen Musizieren in einer Längsschnittstudie.
Ausgangspunkt ist die Grundannahme, dass verschiedene theoretische Positionen bezüglich der dem gemeinsamen Musizieren zugrundeliegenden Prozesse weniger einen Gegensatz bilden als vielmehr die Extrema eines Kontinuums beschreiben. Innerhalb dieses Rahmens werden mögliche Einflussfaktoren auf das Musik-Erleben beim gemeinsamen Musizieren in ihrer zeitlichen Entwicklung untersucht.
Hierzu wird ein neu zusammengestelltes Ensemble für zeitgenössische Musik für ein Jahr begleitet. Im Rahmen eines multimethodischen Ansatzes werden ethnographische Beobachtungen und Interviews durchgeführt und Selbstauskünfte mittels Fragebogen sowie Audio- und Videodaten erhoben. Qualitative Inhaltsanalysen werden durch phänomenologische Analysen ergänzt und mit ethnographischen Daten kontextualisiert. Anhand der Videodaten werden Analysen zur Bewegungsenergie durchgeführt.
Mit dieser Studie werden philosophische Positionen aus einer empirischen Perspektive adressiert. Schließlich kann dabei deutlich werden, wie sich abstrakte theoretische Ansätze zum Musik-Erleben und dessen Beobachtung im Rahmen konkreter musikalischer Praktiken gegenseitig bereichern können.