Informiertes Hören – Der Einfluss von Wissen über Musik auf die Wahrnehmung und Bewertung von Musik

In jedem Konzert, beim Hören einer CD und während einer Radiosendung wird auf Aspekte des ›listening mode‹ und der ästhetischen Einstellung des Hörenden unmittelbar Einfluss genommen. Seien es nun Programmhefttexte, Booklets oder die Kommentare des Moderators, bei all diesen Textgattungen wird die Expertise, das Wissen des Hörers – in der idealtypischen Annahme in dieser Studie vor der Hörerfahrung – verändert und die Aufmerksamkeit des Hörers abhängig vom gewählten Inhalt der Texte neu fokussiert.
Der informierende Text bildete bereits mit seinem Aufkommen und seiner Integration ins Konzertleben des 19. Jahrhunderts drei zentrale inhaltliche Komponenten (Thorau 2013) heraus: 1) Werkwissen im engeren Sinne, also bspw. Angaben zur Entstehungsgeschichte des Werkes oder zur Biographie des Komponisten; 2) Einordnungs- und Wertungswissen, das eine Gesamtcharakterisierung vornimmt und Aussagen über die kompositions- und kulturgeschichtliche Bedeutung trifft; 3) Deutungs- und Rezeptionswissen, welches den Leser anhand einer analysierend-deutender Beschreibung durch den musikalischen Verlauf leitet und seine Aufmerksamkeit auf Aspekte lenkt, die ›gehört werden sollen‹.
Ausgehend von der Annahme, dass diese Formen von ›Wissen‹ und ›Information‹ unmittelbar Teil der subjektiven (Musik-)Konzepte des Hörers werden, interessiert uns zum einen deren Einfluss auf das Erleben, die Bewertung und das Gefallen des Gehörten. Zum anderen untersuchen wir in diesem Kontext den Einfluss des Beschreibmodus (bspw. eine auf analytisch-strukturelle oder eine auf ›emotional‹-expressive Aspekte abzielende Beschreibung) auf die Wahrnehmung von musikalischem Ausdruck.

Externer Forschungspartner: Timo Fischinger (Freiburger Institut für Musikermedizin/Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main)