Wirkungsästhetik der Liturgie (WæL)

Das Projekt „Wirkungsästhetik der Liturgie“ (WæL) beschäftigt sich mit Wirkung und Gestaltungen ästhetischer Praktiken, Performanzen und Objekte in der soziokulturellen Rahmung religiöser Ritualisierung anhand römisch-katholischer Gottesdienste. Entlang der vorfindlichen Realitäten gottesdienstlichen Feierns und damit einhergehender gemeinsamer und persönlicher Praktiken werden mit empirischen Methoden ästhetischer Grundlagenforschung typische Wirkungszusammenhänge von Liturgie erstmals herausgearbeitet und beschrieben.

Liturgisches Feiern und Beten umfasst in der Einheit des kirchlichen Vollzugs dabei gemeinschaftliche wie individuelle Aspekte und interferiert vielfältig mit der leibseelischen Ganzheit der Beteiligten. So empfiehlt sich dieses weite Feld der Liturgie für eine Exploration im Kontext der Erforschung kultureller, in diesem Projekt: religiöser Varianzen sowie sozialer Formationsprozesse ästhetischen Erlebens.

Aus diesen Eigenschaften von Liturgie folgt somit auch genuin ein transdisziplinärer Ansatz, um die „Wirkungsästhetik der Liturgie“ zu verstehen. Daher werden entsprechende Forschungen und einzelne experimentelle Designs aus der Kognitions-, Emotions- und Sozialpsychologie sowie den Neurowissenschaften herangezogen, aber auch Ansätze aus der Semiotik, Ritualforschung, Theaterwissenschaft und Praxeologie mit berücksichtigt. Außerdem werden etablierte transdisziplinäre Diskurse um Synchronisation, Resonanz und Embodiment, um Aufmerksamkeit, Fokussierung und Absorption, um Multimodalität und Performanz eingebracht.

Dies wird in Themenbereichen umgesetzt, die im Sinne von R. Guardinis Gegensatzlehre kontrastierend aufeinander bezogen sind, um liturgische Wirkungsästhetiken möglichst tiefenscharf anhand des empirisch fassbaren Lebendig-Konkreten erfassen zu können:
    1. Gesang und 2. Stille,
    3. Aufmerksamkeit, Absorption sowie Sammlung und
    4. Leib und Liturgie, jeweils unter gemeinschaftlicher und individueller Rücksicht. Dazu tritt ergänzend
    5. Erleben und liturgisches (Vor-)Wissen
Voraussetzung für eine ertragreiche Exploration in den Themenfeldern ist die Entwicklung geeigneter (qualitativer wie quantitativer) Forschungsmethoden und Erhebungsinstrumentarien.

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Musik-Abteilung des MPI für empirische Ästhetik mit dem Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft der Theologischen Fakultät Trier und dem Deutschen Liturgischen Institut, Trier (Prof. Dr. Klaus Peter Dannecker).
Seit dem Herbst 2017 laufen erste empirische Untersuchungen und Feldforschungen an der Dompfarrei Frankfurt.