Raum 416-419 Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik
Vortrag von Gunnar Otte & Dave Balzer, Johannes Gutenberg Universität Mainz
Die Panelstudie „Kulturelle Bildung und kulturelle Teilhabe in Deutschland“ ist eine der wenigen Datenbanken weltweit, die die Stabilität und den Wandel kultureller Präferenzen und der kulturellen Teilhabe auf individueller Ebene über einen längeren Zeitraum hinweg und über wichtige Kunstbereiche wie Musik, Film, Literatur sowie darstellende und bildende Kunst hinweg nachverfolgen kann. Bislang wurden Daten für drei Erhebungswellen in den Jahren 2018, 2021 und 2025 aus einer Zufallsstichprobe deutschsprachiger Personen ab 15 Jahren erhoben, die in privaten Haushalten in Deutschland leben. Dieser Vortrag gibt einen Überblick über die theoretischen und methodischen Grundlagen der Panelstudie und bietet deskriptive Einblicke in zentrale Aspekte der kulturellen Teilhabe in Deutschland. Dazu gehören die Größe und die sozial geschichtete Zusammensetzung des Kunstpublikums, die Verbreitung kreativer Aktivitäten in der Bevölkerung sowie die Lebensverlaufsdynamik musikalischer Präferenzen. Darüber hinaus zeigen wir den Einfluss primärer und sekundärer Sozialisation, persönlicher Ressourcen und kontextueller Möglichkeiten auf den Konzertbesuch anhand von Querschnittsanalysen und Panelregressionen mit festen Effekten auf. Die Erhebung wurde durch mehrere experimentelle Module ergänzt, die darauf ausgelegt waren, die soziale Strukturierung von Präferenzen eingehender zu untersuchen. Wir stellen ein solches Modul vor, das von der neuen experimentellen Ästhetik inspiriert ist. Die Teilnehmer bewerteten kurze Liedausschnitte, die sich in ihrem Grad an Prototypizität unterschieden, was es uns ermöglichte zu untersuchen, ob komplexere und weniger konventionelle Kompositionspraktiken von Personen mit höherer musikalischer Kompetenz und Bildung stärker bevorzugt werden.

