INHABIT // Artist-in-Residence

Das Artist-in-Residence-Programm INHABIT lädt Künstler*innen unterschiedlicher Disziplinen ein, am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt mit Wissenschaftler*innen zu arbeiten. Für ein wissenschaftliches Forschungsinstitut, das sich mit Fragen der Ästhetik beschäftigt, sind die Präsenz und der herausfordernde Impuls künstlerischer Arbeit von besonderer Bedeutung. Das Institut betrachtet die Integration von künstlerischem Denken und Wissen als reflexive Praxis eigenen Rechts als wichtige Dimension seiner Arbeit. Denn der Dialog zwischen Künstler*innen und Wissenschaftler*innen und die Auseinandersetzung mit anderen Perspektiven, stellt ein wechselseitiges produktives Umfeld für beide Seiten dar. Deswegen lädt INHABIT Künstler*innen für drei Monate ein, eine neue künstlerische Arbeit im wissenschaftlichen Kontext zu entwickeln oder ein bestehendes Projekt zu vertiefen.

Die Offenheit für die Arbeit des Instituts und die Bereitschaft und Neugier zur Zusammenarbeit mit einzelnen Wissenschaftler*innen oder Forschungsgruppen unterschiedlicher Fachrichtungen ist dabei vorausgesetzt. Während der Künstlerresidenz stellt das MPIEA Räume und Ressourcen zur Verfügung und ermöglicht ein produktives Umfeld für Experimente, Dialoge und Kollaborationen. In Kooperation mit wechselnden Kulturinstitutionen in Frankfurt werden die künstlerischen Arbeiten anschließend öffentlich als Ausstellung oder Aufführung gezeigt und durch diskursive Formate ergänzt.

 

 

Ausschreibung für 2021

Bewerbungsschluss: 16. August, 2020

INHABIT #4
Zeitraum: Februar – April 2021

INHABIT #5
Zeitraum: Mai – Juli 2021

NHABIT #6
Zeitraum: September – November 2021

Dauer: 3 Monate
Deadline: 16. August 2020
Jury Entscheidung: Oktober 2020

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Wen wir suchen:

  • Künstler*innen unterschiedlicher Disziplinen, die an der Zusammenarbeit zwischen dem
    künstlerischen und dem wissenschaftlichen Bereich interessiert sind;
  • Künstler*innen, die eine neue Arbeit entwickeln und als Ausstellung, Performance, Konzert oder anderes öffentliches Präsentationsformat zeigen;
  • Künstler*innen, die in der zeitgenössischen Kultur verankert sind und auf das Institut mit innovativen und herausfordernden Ideen / Fragestellungen reagieren.

Was wir zur Verfügung stellen:

  • Künstlerhonorar: 6.000 Euro
  • Unterkunftsbudget: 2.000 Euro
  • Produktionsbudget abhängig vom Projekt
  • Realisierung des Abschlussprojekts
  • Reisekosten nach und in Frankfurt
  • Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen
  • Zugang zu Bibliothek, Tonstudio und wissenschaftlichen Einrichtungen des Instituts 
  • Kuratorische Unterstützung während der Residence

Wie man sich bewirbt:

Bitte senden Sie uns bis spätestens 16. August 2020 Ihre vollständige Bewerbung, einschließlich

  • CV 
  • Künstlerstatement (Beschreibung der Praxis, Konzepte, Methoden etc.), max. 500 Wörter
  • Entwurfs eines Projektes, das das wissenschaftliche Interesse umreißt und die Verknüpfung
    mit dem Institut und den Forschungsbereichen skizziert., max. 500 Wörter
  • Portfolio

Bitte senden Sie alle Unterlagen und zeitliche Verfügbarkeiten an: inhabit@ae.mpg.de 

 

 

 

INHABIT #3 // Pedro Oliveira

Mai – August 2020

Pedro Oliveira ist Klangkünstler und Wissenschaftler, der sich mit Handlungen klanglichen Gewalt und kolonialen Artikulationen des Zuhörens beschäftigt. Seine Arbeit fragt nach der Materialität von Soundarchiven im Bereich der politischen Überwachung und Möglichkeiten der Intervention. 

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Im Zentrum seiner künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit steht dabei die Auseinandersetzung mit Spracherkennungstechnologien, im Speziellen mit der so genannten automatisierten Akzenterkennungs-Software, die vom deutschen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zur Herkunftsbestimmung von Asylbewerbern eingesetzt wird. Oliveira untersucht Akte des Sammelns, Organisierens und Taxonomisierens von Stimmmerkmalen und deren gewaltsame Verwendung bei der systematischen Kategorisierung von Menschen. Seine künstlerischen Eingriffe in das Material verkörpern ein Verständnis des Zuhörens als kritische Praxis, in der Geschichten durch Lücken im Archiv (oder in der Datenbank) erzählt werden.

Während seiner Residence wird er seine Forschung zum Einsatz akustischer biometrischer Technologien fortsetzen, um ein erweitertes Verständnis davon zu bekommen, wie maschinelles Zuhören als ein gewalttätiges und entmenschlichendes Mittel instrumentalisiert werden kann, wenn es in Asylverfahren eingebettet ist. Insbesondere wird er sich mit dem Begriff der "Verzerrung" als einer Reihe von materiellen und diskursiven Techniken befassen (z.B. Verzerrung als ein Charakter, der in der Klangfarbe der Stimme selbst vorhanden ist), um die Funktionsweise von Sprachanalysesystemen kritisch zu hinterfragen.

Biografie

Pedro Oliveira hat an der Universität der Künste Berlin promoviert sowie einen MA in Digitale Medien der Hochschule für Künste Bremen. Zuletzt war er als Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter für Medien- und Kulturwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf tätig. Außerdem ist er Gründungsmitglied der Plattform Decolonising Design. Seine künstlerischen Arbeiten wurden in internationalen Ausstellungen gezeigt / aufgeführt, u.a. bei SAVVY Contemporary, Berlin; IASPIS, Stockholm; HKW, Berlin; transmediale Festival, Berlin, Deutschlandradio Kultur; ctm Festival, Berlin (HAU2); Goethe-Institut Brüssel, Belgien; sonorities Festival, Belfast; ACUD Macht Neu, Berlin

 

INHABIT #2 // Lea Letzel

Februar – Mai 2020

Lea Letzel ist Künstlerin, Regisseurin und Pyrotechnikerin, die in Köln und Reykjavik lebt und arbeitet. In ihrer künstlerischen Praxis entwickelt sie interdisziplinäre szenische und performative Arbeiten an der Schnittstelle von Klang und Musik, Medienkunst, Tanz und Raum.

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Im Zentrum steht dabei das Konzertformat und die Auseinandersetzung mit Fragen nach den Bedingungen und Konventionen von Aufführungssituationen. Die Positionierung ihrer Performances und Installationen außerhalb festgeschriebener Genregrenzen zeigt sich auch durch die Produktion und Aufführung ihrer Werke in verschiedenen Foren zwischen White Cube, Black Box und im Kontext der Neuen Musik. Ebenso vielseitig ist ihr visuelles und akustisches Material, das sich zwischen pyrotechnischen Elementen und der Geräuschkulisse einer Skatehalle bewegt. Zuletzt war sie als Stipendiatin des Goethe-Instituts in die Villa Kamogawa in Kyoto eingeladen, um sich dort mit japanischer Pyrotechnik auseinanderzusetzen.

Während ihrer Residency am Max-Planck-Institut wird sie an einem Projekt weiterarbeiten, das sich mit der Feuerwerksnotation des japanischen Chemikers und Feuerwerkers Takeo Shimizu beschäftigt. Um 1965 entwickelte er ein Notationssystem für Feuerwerkskörper, das auf konventioneller Musiknotation basiert. Ausgehend davon wird sie sich mit der Idee der Notation als ein vielschichtiges System zwischen Handlungsanweisung, Aufführungstext und choreographischer Anleitung auseinandersetzen. In diesem Zusammenhang wird auch die Hierarchie zwischen Musik und Feuerwerk aufgegriffen und deren klangliches Potential mit der Frage der Gleichwertigkeit zur Visualität untersucht. Für das Projekt wird Letzel mit Wissenschaftler*innen aus den unterschiedlichen Fachbereichen zusammenarbeiten, u.a. mit der Musikethnolgin Dr. Lara Pearson.

Biografie

Lea Letzel studierte am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen und an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Seit 2015 ist auch als Pyrotechnikerin ausgebildet. Sie hat an internationalen Ausstellungen sowie an Performances im Witte de With, Rotterdam; Maschinenhaus Essen; Theater Duisburg; Philharmonie Duisburg; Bundeskunsthalle Bonn; Bonner Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, Bonn; FrankfurtLAB, Frankfurt am Main; Acht Brücken Festival, Köln; Edit- Russ- Haus für Medienkunst, Oldenburg; PACT Zollverein, Essen teilgenommen.

 

INHABIT #1 // Alexander Tillegreen

September 2019 – Januar 2020

Alexander Tillegreen ist Künstler und Komponist, der in Kopenhagen und Frankfurt am Main  lebt und arbeitet. Seine künstlerische Praxis bewegt sich zwischen Klang, Druckgrafik, Licht und Malerei. Seine Arbeiten werden in Form von Installationen und Performances aufgeführt und ausgestellt und oft in Konstellationen neben architektonischen, räumlichen, und textuellen Interventionen und Elementen gezeigt.

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Während seiner Residence am Institut wird er seine Forschungs- und Studioarbeit zu psychoakustischen Phänomenen und Hörtäuschungen fortsetzen und dadurch die Grenzen und Möglichkeiten zwischen Wissenschaft und Kunst weiter ausloten. Dabei kooperiert er mit dem Neurowissenschaftler Alessandro Tavano und arbeit an gemeinsamen experimentellen Arrangements, die sowohl im wissenschaftlichen als auch in künstlerischen Umfeld Ausdruck finden, darunter eine neue Klanginstallation im Rahmen einer Ausstellung. Außerdem wird sich Tillegreen mit dem breiten Spektrum an Studien und Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Fachrichtungen beschäftigen und Forschungsfragen und -inhalte mit der  künstlerischen Perspektive befragen und erweitern.

Biografie

Alexander Tillegreen absolvierte 2017 seinen Meisterschüler an der Hochschule für Bildende Künste-Städelschule. Zusätzlich studierte er Bildende Kunst an der Cooper Union School of Art in New York und Kunstgeschichte, Musikwissenschaft und Sound Studies an der University of Copenhagen. Alexander Tillegreen nahm an internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen sowie an Performances im MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST Frankfurt; CTM Festival, Berlin; Kunsthalle Darmstadt; fffriedrich, Frankfurt; Agnes Maybach, Galerie, Köln; Jean Claude Maier Galerie, Frankfurt; Tom Christoffersen Gallery, Kopenhagen; Fotografisk Center, Kopenhagen; Code Art Fair, Kopenhagen; und Statens Museum for Kunst, Kopenhagen teil.