INHABIT #13 // Kaj Duncan David
September – Dezember 2025
Verankert in Computermusik und klassischer Performance, bewegt sich Kaj Duncan David künstlerische Praxis zwischen Musiktheater, audiovisuellen Installationen und elektronischen Live-Performances. Beeinflusst von posthumanistischer Theorie, spekulativer Fiktion und Medienarchäologie erforscht er die Grenzen zwischen Klang, Sprache und Bewusstsein – oft durch den Einsatz synthetischer Stimmen, die zwischen Sinn und Unsinn oszillieren.
Während seiner Residenz entwickelt er eine neue 60-minütige Solo-Performance und ein dazugehöriges Album, die seine Erforschung spekulativer klanglicher Welten und synthetischer Vokalausdrücke weiterführen. Aufbauend auf früheren Arbeiten untersucht das Projekt, wie frühmenschliche Lautäußerungen, der kindliche Spracherwerb und die Musikalität der Sprache kompositorisch fruchtbar gemacht werden können. Zudem erforscht er, wie menschliche und synthetische Klangquellen in musikalischen Dialogen interagieren können, die an Gesprächsdynamiken erinnern. Ein weiterer Fokus liegt auf der Medienarchäologie synthetischer Stimmen – ihrer kulturellen und emotionalen Resonanz von frühen Vocodern bis hin zu zeitgenössischer KI. In Zusammenarbeit mit Forschenden im Bereich Musik- und Sprachkognition sucht Kaj Duncan David nach einer Verbindung von intuitiver Komposition und theoretisch-wissenschaftlicher Reflexion.
Biographie
Kaj Duncan David ist Komponist und Performer elektronischer Musik und lebt in Berlin. Er studierte Sound Art, Komposition und elektronische Musik am Goldsmiths (University of London) sowie an den Musikhochschulen in Aarhus und Dresden. Er hat zwei Soloalben veröffentlicht: All Culture Is Dissolving (2021) und Only birds know how to call the sun and they do it every morning (2025). Gemeinsam mit Rodrigo Lemos komponierte er den Soundtrack zu Michelle Mouras tão carne quanto pedra (2025), eine Auftragsarbeit des São Paulo City Ballet. Außerdem hat er Musik für mehrere Tanzstücke von Moura und anderen Choreograf:innen geschrieben und aufgeführt. Er hat zwei groß angelegte, kollaborative Musiktheaterwerke komponiert, darunter das preisgekrönte Up Close and Personal mit Troels Primdahl und Daniel Gloger (2018) für die Münchener Biennale für neues Musiktheater.
Seine notierten audiovisuellen Werke für Ensembles wie ensemble mosaik (Berlin) und Scenatet (Kopenhagen) wurden auf Festivals wie Manifeste, Paris; Spor, Aarhus; Wien Modern, Wien; Maerzmusik, Berlin; MATA, New York; Música Estranha, São Paulo aufgeführt.
Er hat mehrerer Stipendien, darunter das Young Academy Fellowship (Akademie der Künste, Berlin) und Progetto Positano (Ernst von Siemens Musikstiftung) erhalten.



