01. Mai 2020

INHABIT #3 // Pedro Oliveira

Pedro Oliveira

Mai – August 2020

Pedro Oliveira ist Klangkünstler und Wissenschaftler, der sich mit Handlungen klanglichen Gewalt und kolonialen Artikulationen des Zuhörens beschäftigt. Seine Arbeit fragt nach der Materialität von Soundarchiven im Bereich der politischen Überwachung und Möglichkeiten der Intervention. 

Im Zentrum seiner künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit steht dabei die Auseinandersetzung mit Spracherkennungstechnologien, im Speziellen mit der so genannten automatisierten Akzenterkennungs-Software, die vom deutschen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zur Herkunftsbestimmung von Asylbewerbern eingesetzt wird. Oliveira untersucht Akte des Sammelns, Organisierens und Taxonomisierens von Stimmmerkmalen und deren gewaltsame Verwendung bei der systematischen Kategorisierung von Menschen. Seine künstlerischen Eingriffe in das Material verkörpern ein Verständnis des Zuhörens als kritische Praxis, in der Geschichten durch Lücken im Archiv (oder in der Datenbank) erzählt werden.

Während seiner Residence wird er seine Forschung zum Einsatz akustischer biometrischer Technologien fortsetzen, um ein erweitertes Verständnis davon zu bekommen, wie maschinelles Zuhören als ein gewalttätiges und entmenschlichendes Mittel instrumentalisiert werden kann, wenn es in Asylverfahren eingebettet ist. Insbesondere wird er sich mit dem Begriff der "Verzerrung" als einer Reihe von materiellen und diskursiven Techniken befassen (z.B. Verzerrung als ein Charakter, der in der Klangfarbe der Stimme selbst vorhanden ist), um die Funktionsweise von Sprachanalysesystemen kritisch zu hinterfragen.

Biografie

Pedro Oliveira hat an der Universität der Künste Berlin promoviert sowie einen MA in Digitale Medien der Hochschule für Künste Bremen. Zuletzt war er als Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter für Medien- und Kulturwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf tätig. Außerdem ist er Gründungsmitglied der Plattform Decolonising Design. Seine künstlerischen Arbeiten wurden in internationalen Ausstellungen gezeigt / aufgeführt, u.a. bei SAVVY Contemporary, Berlin; IASPIS, Stockholm; HKW, Berlin; transmediale Festival, Berlin, Deutschlandradio Kultur; ctm Festival, Berlin (HAU2); Goethe-Institut Brüssel, Belgien; sonorities Festival, Belfast; ACUD Macht Neu, Berlin


 

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