Dr. Jutta Toelle

Forschungsschwerpunkte

Als Musikwissenschaftlerin und Historikerin interessiere ich mich dafür, wie Menschen Musik erleben und welchen Wert sie der Musik und dem Erlebnis von Livemusik zuschreiben. Ich beschäftige mich daher mit einer Vielzahl von soziologischen, historischen, anthropologischen und ästhetischen Fragestellungen im Bereich der Musik.
Meine aktuellen Projekte auf dem Feld der Publikumsforschung und Konzertforschung stellen fundamentale Fragen nach dem Hören, Rezipieren und Machen von Musik. Ich kombiniere diese Fragen mit kulturpolitischen und historischen Perspektiven und empirischen, meist qualitativen Ansätzen.
In meiner Forschung untersuche ich zudem die Schnittmengen zwischen Musik und ökonomischem Denken, sowohl innerhalb von aktuellen kulturpolitischen Diskussionen als auch anhand historischer Beispiele (zum Beispiel anhand der Oper, s. meine Dissertation). Die Frage, welcher Stellenwert Musik in einer Gesellschaft beigemessen wird, ist damit unmittelbar verknüpft.  
Ebenso sind die historischen und sozialen Auswirkungen der Globalisierung auf weltweite Musiken seit der Kolonialzeit seit jeher im Mittelpunkt meines Interesses. Im Zuge meines Forschungsprojekts "Musik als Instrument: Europäische Narrative über Mission durch Musik im Lateinamerika der Frühen Neuzeit" untersuche ich, wie und warum Menschen Klängen und Musik, vielen Arten von Musik, große Kräfte zuschreiben; ich spüre diesen Überzeugungen in Texten der Kolonialzeit (meist von jesuitischen Missionaren) nach und untersuche sie auf postkolonial aufgeklärte Weise.  
Zuletzt habe ich auch zu Themen wie Applaus, Puccini und dem Baumol’schen Gesetz publiziert.

 

Vita

Ausbildung

2005Promotion am Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft, HU Berlin, mit einer Arbeit über die italienische Opernindustrie im 19.Jh (veröffentlicht 2007)
1995-2001Studium Musikwissenschaft/ Geschichte, FU Berlin, HU Berlin, Università Ca’Foscari Venedig
1993-1995Berufsausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel, Frankfurt a.M.

Werdegang

Seit 10/2013Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc), Abteilung Musik, Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt am Main
2018Gutachterin, Research Council for Culture and Society, Academy of Finland
seit 2017Mitglied bei INARPA (International Network for Audience Research in the Performing Arts, University of Leeds
März 2016Organisation und Durchführung des Italienkurses der GfM in Bologna und Oberitalien, mit Arnold Jacobshagen und Sabine Meine
10/2014-04/2015Elternzeit
März 2014Organisation und Durchführung des Italienkurses der GfM in Mailand, mit Christine Siegert und Sabine Meine
seit 2012Gutachterin, Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich
2012-2013Forschungaufenthalt, Music Dept., University of Chicago
4/2009-9/2010Elternzeit
2007-2012Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft, Lehrstuhl für Musiksoziologie und Sozialgeschichte der Musik, HU Berlin
2005-2008Doktorandin/ PostDoc-Mitglied der Forschergruppe „Oper im Wandel der Gesellschaft – Die Musikkulturen europäischer Metropolen im ‚langen’ 19. Jh.“, unterstützt durch die Volkswagen Stiftung
1998-2012Reiseleitung und lecturer für amerikanische Kulturtouristen, IST Cultural Tours (Berlin, Dresden, Leipzig)
2004-2011Künstlerbetreuung und Assistenz der Geschäftsleitung, Bundeswettbewerb Gesang, Berlin

Publikationen

Aktuelle Publikationen

Toelle, J. & Sloboda, J. (submitted). The Audience as Artist? The Audience's Experience of Participatory Music. Journal of New Music Research.

Toelle, J. (2018). Mission Soundscapes: Demons, Jesuits and Sounds in Antonio Ruiz de Montoya's Conquista Espiritual (1639). In D. Hacke/ P. Musselwhite (eds.), Empire of the Senses: Sensory Practices and Modes of Perception in the Atlantic World (pp. 67-87), Leiden: Brill.

Seibert, Ch., Toelle J., & Wald-Fuhrmann, M. (im Druck). Live und interaktiv: ästhetisches Erleben im Konzert als Gegenstand empirischer Forschung. In: Martin Tröndle (Hrsg.): Das Konzert. Neue Aufführungskonzepte für eine klassische Form. Dritte, erweiterte Auflage.

Toelle, J. (submitted, to be published in 2018). Applaus (Akustische Phänomene V.1). In D. Morat/ H. Ziemer (Hrsg.), Handbuch Sound. Geschichte - Begriffe - Ansätze, Verlag J.B. Metzler: Stuttgart/ Weimar.

Toelle, J. (submitted, to be published in 2018), with Carlotta Sorba. The Italian opera world and its canons. In C. Newark/ W.Weber (eds.), Oxford Handbook of the Operatic Canon, Oxford University Press.

Toelle, J. (2017). Italienische Opernindustrie global: Theater und Verlage. In R. Erkens (Hrsg.), Giacomo-Puccini-Handbuch. Verlag J.B. Metzler, in Kooperation mit Bärenreiter: Stuttgart/ Weimar.

Monographien

Toelle, J. (2009). Bühne der Stadt. Mailand und das Teatro alla Scala zwischen Risorgimento und Fin de Siècle. München/Wien: Oldenbourg/ Böhlau.

Toelle, J. (2007). Oper als Geschäft. Impresari an italienischen Opernhäusern 1860-1900. Kassel: Bärenreiter Verlag.

Herausgeberschaften

Bicher, K., Kim, J., Toelle, J. (2011). Musiken. Festschrift für Christian Kaden. Ries und Erler: Berlin

Müller, S.O., Ther, P., Toelle, J., zur Nieden, G. (2010). Die Oper im Wandel der Gesellschaft. Kulturtransfers und Netzwerke des Musiktheaters in Europa. Böhlau/ Oldenbourg: Wien/Köln/Weimar.

Müller, S.O., Toelle, J. (2008). Bühnen der Politik. Die Oper in europäischen Gesellschaften im 19. und 20.Jahrhundert, Oldenbourg Verlag: Wien/München.

Zeitschriftenartikel und Buchkapitel 

Toelle, J. (2016). Todas las naciones han de oyrla: Bells in the Jesuit reducciones of Early Modern Paracuaria. Journal of Jesuit Studies, 3(3), 437-450. doi:10.1163/22141332-00303005

Toelle, J. (2016). Das Baumol’sche Gesetz (Fallstudie ‘Opernbetrieb’). In V. Kalisch (Hrsg.), Musiksoziologie, Kompendien Musik Band 8, Laaber: Laaber.

Toelle, J. (2014). Fremdes oder eigenes Brot ? Musik im Neuen Welt-Bott Joseph Stöckleins. In C. Storch (Hrsg.), Die Musik- und Theaterpraxis der Jesuiten im kolonialen Amerika. Grundlagen, Desiderate, Forschungsperspektiven (S.75-92). Sinzig: Studio-Verlag.

Toelle, J. (2014). Da indessen die Mohren den Psalm: Lobet den Herrn alle Heiden! abgesungen.’ Musik und Klang im Kontext der Mission im México der Frühen Neuzeit. Historische Anthropologie, 22/3, 334-349.

Toelle, J. (2014). Was michs kostet, die Indianer in unserer Europäischen Music zu instruiren, ist dem lieben Gott allein bekannt. Kircher und die jesuitische Mission durch Musik in Paraquaria. In M. Wald-Fuhrmann (Hrsg.), Steinbruch oder Wissensgebäude? Zur Rezeption von Athanasius Kirchers „Musurgia universalis“ in Musiktheorie und Kompositionspraxis. Basel: Schwabe (= Bibliotheca Helvetica Romana 33).

Toelle, J. (2012). Opera as business ? From impresari to the publishing industry, Journal of Modern Italian Studies, 17:4, 448-458.

Toelle, J. (2012) Zielpunkt: Austro-Italiens moralische Hegemonie. Die Kulturpolitik Erzherzog Ferdinand Maximilians und das Ende der habsburgischen Herrschaft in Lombardo-Venetien, 1857-59. In P. Ther (Hrsg.), Kulturpolitik und Theater. Die kontinentalen Imperien Europas im Vergleich (S. 175-199). Böhlau: Wien.

Toelle, J. (2011). Rasende Weiber und Schallmeyen. Musik im Neuen Welt-Bott Joseph Stöckleins. In K. Bicher, J. Kim, J. Toelle (Hrsg.), Musiken. Festschrift für Christian Kaden. Ries und Erler: Berlin.

Toelle, J. (2011). Opera, hypnosis and rollerskating: the rise of the Italian Politeami as multiple-use theatres. In V. Katalinic & S.Tuksar (Hrsg.), Musical Theatre as High Culture?, Zagreb: Croatian Musicological Society.

Toelle, J. (2010). Oper global: Ansätze zur Kartierung des Musiktheaters. In S.O.Müller, P. Ther, J.Toelle & G.zur Nieden (Hrsg.), Die Oper im Wandel der Gesellschaft. Kulturtransfers und Netzwerke des Musiktheaters in Europa (S. 247-249). Böhlau/ Oldenbourg: Wien/ Köln/ Weimar.

Toelle, J. (2010). Der Duft der großen weiten Welt. Ideen zur weltweiten Ausbreitung der italienischen Oper im 19. Jahrhundert. In S.O. Müller, P. Ther, J. Toelle, G. zur Nieden (Hrsg.), Die Oper im Wandel der Gesellschaft. Kulturtransfers und Netzwerke des Musiktheaters in Europa. (S. 251-261). Böhlau/ Oldenbourg: Wien/ Köln/ Weimar.

Toelle, J. (2009). „Verkündiger jener neuen musikalischen Welt“: Angelo Neumanns reisendes Richard-Wagner-Theater in Italien 1883. In P. Stachel & P. Ther (Hrsg.), Wie europäisch ist die Oper? Die Geschichte des Musiktheaters als Zugang zu einer kulturellen Topographie Europas (S. 187-196). Böhlau/ Oldenbourg Verlag: Wien/Köln/Weimar.

Toelle, J. (2008). Oper als Bühne der Politik. Historische und musikwissenschaftliche Perspektiven (Vorwort, mit Sven Oliver Müller). In S.O. Müller & J. Toelle (Hrsg.), Bühnen der Politik. Die Oper in europäischen Gesellschaften im 19. und 20.Jahrhundert (S. 7-19), Oldenbourg Verlag: Wien/München.

Toelle, J. (2007). „Das tanzende General-Gouvernement“. Die kulturpolitischen Ideen des Erzherzogs Ferdinand Maximilian als Generalgouverneur des Lombardo-Venetischen Königreiches, 1857–1859, Römische Historische Mitteilungen49.

Toelle, J. (2007). Venice and its Opera House: Decadence and Hope at the Teatro La Fenice, 1866–1897, in: Journal of Musicological Research26, 1

Auszeichnungen & Stipendien

Stipendien

2012/2013Forschungsstipendium der DFG für Aufenthalt in Chicago
2005 und 2007Stipendien des Deutschen Studienzentrums Venedig, des DHI Rom und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
2003/2004NAFÖG-Promotionsstipendium des Landes Berlin
2002DAAD-Stipendium für Forschungsaufenthalt in Italien
2002/2003Promotionsstipendium der FAZIT-Stiftung

Projekte

  • Projekt „Applaus“

    Applaus scheint ein grundlegendes und natürliches Bedürfnis von Zuschauern und Zuhörern zu sein, doch trotz des eigentlich einfachen Vorgangs des In-die-Hände-Klatschens ist das Phänomen ein sehr vielschichtiges. Applaus kann verschiedenste ...

  • Musik als Instrument: Europäische Narrative über Mission durch Musik im Lateinamerika der Frühen Neuzeit

    „Wie sollte einem Europäer nicht seltsam vorkommen zu sehen/ wie dass schwartze halb-nackende Barbarn die Lateinische Kirchen-Gesänger so künstlich singen/ und auf ihren Instrumenten in einem Dorff dermassen lieblich spihlen/ dass man ihnen in ...

  • Partizipation im Konzertsaal

    Dieser Forschungsschwerpunkt untersucht, wie „Publikumsbeteiligung“ – also partizipatorische Elemente einer Aufführung – das (ästhetische) Erleben der einzelnen Mitglieder des Publikums beeinflusst. Die Untersuchungen bildet einen ...

  • Experimentelle Konzertforschung

    Im Zuge des gemeinsam mit den Kooperationspartnern Hauke Egermann (York), Martin Tröndle (Friedrichshafen), Wolfgang Tschacher (Bern) und Folkert Uhde (Berlin)  eingeworbenen und von der Volkswagen Stiftung unterstützten Drittmittelprojekts ...