08. August 2019

Empirische Ästhetik in Brighton

Empirische Ästhetik in Brighton

Der „Kraft der Literatur“ auf der Spur

Was meinen wir, wenn wir literarische Texte als „kraftvoll“ bezeichnen? Was „machen“ diese Texte mit uns, welche Effekte können sie beim Lesen hervorrufen?

Diese und ähnliche Fragen diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinenauf der internationalen Konferenz “Powerful Literary Fiction Texts - A Stylistic, Empirical and Performance-based Approach” vom 19.-21. Juni 2019 an der Universität Brighton (U.K.). 
 

Angeregt hatte diesen Austausch R. L. Victoria Pöhls aus der Abteilung Sprache und Literatur gemeinsam mit ihren Mitorganisatoren Mariane Utudji (Sorbonne Université) und Craig Jordan-Baker (Brighton University). Durch Zusammenbringen von Geisteswissenschaftlern und empirisch arbeitenden Forschern aus der Psychologie, Medizin und Linguistik gelang es, tiefgreifende Effekte, die das Lesen von Literatur hervorrufen kann, aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. 
 

So wurden sowohl psychologische Konsequenzen, wie das emotionale Erleben während und nach dem Lesen in den Blick genommen, als auch die Identifikation mit fiktionalen Figuren aus kulturwissenschaftlicher Perspektive sowie die von Rezipienten aus den Texten herausgelesenen Werte und Weltanschauungen diskutiert. Die empirischen Beiträge zeigten, inwieweit solche Effekte generalisierbar sind, aber auch welche Bandbreite im Erleben und der Stärke der Phänomene bei Lesern zu finden ist. Allen Beiträgen gemeinsam war die starke Rückbindung an die literarischen Texte selbst, ihre ästhetischen Merkmale und Rezeptionskontexte. Die untersuchte Literatur umfasste Kinder- und Jugendliteratur, Trauma- und politische Literatur, sogenannte Trivialliteratur wie Shades of Grey und anspruchsvolle Texte wie David Foster Wallaces Bleichen König.
 

Die erfolgreiche Konferenz hat gezeigt, dass „kraftvolle“ Werke und Textpassagen emotional berühren, Identität stiften und ideologiebildend wirken können. Um Wirkmechanismen und Wirkung, die einen Text für einen Leser zu einem kraftvollen Werk werden lassen, besser zu verstehen und vorherzusagen, erscheint eine interdisziplinäre Herangehensweise als besonders fruchtbar. Daher ist es besonders erfreulich, dass die Konferenz „Powerful Literary Fiction Texts - A Stylistic, Empirical and Performance-based Approach”  2020 eine Fortsetzung in Paris finden wird.
 

Der ausführliche Konferenzbericht kann hier gelesen werden.