09. September 2015

Mensch, singt der falsch!

Mensch, singt der falsch!

Aua!

Ob jemand den Ton trifft oder nicht hört auch ein musikalischer Laie.

Frankfurt/Liège: Singen kann nicht jeder. Aber kann das jeder hören? "Deutschland sucht den Superstar", "The Voice of Germany"... bei vielen Gesangs-Castingshows entscheidet am Ende das Publikum welcher Kandidat gewinnt. Doch kann das Publikum, das zum Großteil aus musikalischen Laien besteht, überhaupt das Können eines Laien-Sängers beurteilen?

Eine neue Studie von Pauline Larrouy-Maestri, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik und ihren Kollegen legt nahe, dass dem so ist. Wird ein bekanntes Musikstück von einem musikalischen Laien gesungen, können andere musikalische Laien sehr gut beurteilen, ob die Töne richtig getroffen wurden oder nicht.

Zwar haben musikalische Laien per definitionem keine fundierte Ausbildung in Musiktheorie oder -praxis. Aufgrund ihres jeweiligen kulturellen Hintergrundes kennen Laien jedoch kulturabhängige, musikalische Regeln. So lässt sich ein Gespür für melodische Fehler –  z.B. die Verletzung der melodischen Linie, eine falsche Intervallgröße oder auch der Wechsel der Tonalität – bereits bei Kindern nachweisen.

Um die Frage zu beantworten, ob dieses "Gespür" auch Laien zu einer Art von Expertenhörern macht, präsentierten Larrouy-Maestri und Kollegen musikalischen Laien den "Happy-Birthday" Song in 166 verschiedenen Versionen - alle Versionen gesungen von anderen musikalischen Laien. Dabei sollten die Teilnehmer der Studie auf einer Skala beurteilen, wie richtig oder falsch die einzelne Darbietung für sie klang, die Bewertungen wurden zweimal erhoben. 

Die Urteile der musikalischen Laien wurden im Anschluss daran mit den Urteilen von Experten aus einer vorangegangenen Studie verglichen (Larrouy-Maestri, Lévêque, Schön, Giovanni, & Morsomme, 2013). Es zeigt sich eine hohe Übereinstimmung in der Bewertung von Tonhöhen zwischen musikalischen Laien und Experten. Auch wenn es geringe Unterschiede zwischen den beiden Gruppen in der Definition von Tonhöhe zu geben scheint, zeigen Laien eine sehr konsistente Bewertung der Tonhöhen und weiterer musikalischer Bewertungskriterien. Laien sind demnach ernstzunehmende Juroren in der Beurteilung, ob untrainierte Sänger die richtigen Töne "treffen". 

Doch auch wenn das nächste "Happy-Birthday" falsch klingt: Hauptsache es kommt von Herzen – darin sind sich die Wissenschaftler einig. 

 

Originalpublikation:

Larrouy-Maestri, P., Magis, D., Grabenhorst, M., & Morsomme, D. (2015). Layman versus Professional Musician: Who Makes the Better Judge? Plos One 10(8): e0135394. doi:10.1371/journal.pone.0135394

 

Kontakt:

Pauline Larrouy-Maestri (PhD)
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt 

+49 (0)69-8300479-320

pauline.larrouy-maestri@aesthetics.mpg.de

 

Dr. Anna Husemann
Forschungskoordination/PR
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt am Main

+49 69 8300479-650

anna.husemann@aesthetics.mpg.de