27. Mai 2022

Something in the Way You Move

Fredrik Ullén, Julia F. Christensen, Luisa Sancho Escanero, Emily Cross, Rebecca Smith und Vincenzo Minervini applaudieren

Die Veranstalter:innen freuen sich über ein gelungenes Event (v.l.n.r.: Fredrik Ullén, Julia F. Christensen, Luisa Sancho Escanero, Emily Cross, Rebecca Smith, Vincenzo Minervini). (Bild: MPI für empirische Ästhetik/F. Bernoully)

Lecture, Performance, Experiment, Public Outreach. Gleich vierfach war die Veranstaltung „Something in the Way You Move“ am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik (MPIEA) angelegt. Das Event am 25. Mai stand unter der Schirmherrschaft von Julia F. Christensen (Abteilung Musik) und Fredrik Ullén, Direktor der Abteilung Kognitive Neuropsychologie.

Sowohl vor Ort im ArtLab-Foyer als auch über ein Online-Streaming waren rund 80 Zuschauer:innen zu Gast, die zum Auftakt des Abends eingeladen waren, an einem weltweit einzigartigen Experiment zur Wahrnehmung von Tanz teilzunehmen. Im Rahmen des Experiments wurde eine choreografisch gleichbleibende Performance des Tänzers Vincenzo Minervini (Staatstheater Kassel) sechs Mal präsentiert: Zweimal live auf der Bühne, zweimal als Avatar auf einer Leinwand und zweimal als voraufgezeichnete Videosequenz. Nach jeder Aufführungssequenz wurden die Zuschauer:innen gebeten, anhand eines Fragebogens ihre Bewertungen abzugeben.

Nach Abschluss dieser Datenerhebung präsentierten mit Luisa Sancho Escanero, Künstlerische Leitung Pfalztheater Kaiserslautern, und Emily Cross, Professorin für Human Neuroscience, University of Glasgow, zwei hochkarätige Gäste der internationalen Tanz- und Tanzforschungsszene kurze Vorträge, die das Publikum in die Bedeutung des Faktors Expressivität – sozusagen der emotionalen Ausdruckskraft im Tanz – auf Seite der Performer sowie des Publikums einführten.

Die Dauer der Vorträge blieb jedoch auch hinter der Bühne nicht ungenutzt. Eva Schmidt und Marco Münzberg (beide MPIEA) werteten die Antworten des Publikums aus dem Experiment in Windeseile aus. So konnte zum Abschluss des Abends der Kreis geschlossen werden, als Julia F. Christensen für alle Gäste die Forschungshypothesen erläuterte, die der Zuschauerbefragung zugrunde lagen. Der Live-Abgleich mit den empirischen Befunden lies dabei nicht nur das Publikum staunen: Entgegen der ursprünglichen Annahme gefielen die Performances grundsätzlich dem Online-Publikum genauso gut, wie den Zuschauer:innen vor Ort. Die Unterscheidung zwischen voraufgezeichnetem Tanz-Video und Live-Tanz fiel allerdings deutlich zugunsten der Live-Darbietung aus. In der Unterscheidung zwischen Avatar und menschlichem Tänzer lag die menschliche Tanzperformance klar vorn in der Gunst des Publikums.

Die Kernhypothese des Experiments wurde zum Schluss präsentiert. Sie drehte sich um den Faktor Expressivität. Den Wert dieser ästhetischen Variable schienen die Befragungsergebnisse klar zu belegen. Die expressiv getanzten Sequenzen fielen in der Bewertung des Publikums deutlich besser aus als die ausdrucksschwächeren – sehr zur Freude der für das Programm des Abends verantwortlichen Wissenschaftler:innen, die alle eine zweite Identität als ausgebildete Tänzerinnen bzw. Musiker:innen vereinte.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:innen:

Julia F. Christensen
Fredrik Ullén