12. Januar 2017

Vorteile nicht-hierarchischer und nicht-synchroner Kooperation

(c) Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik

Sich mit anderen synchron zu bewegen – beim Spielen oder Tanzen – ist ein wichtiger Teil gemeinsamer sozialer Aktivitäten. Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass synchrone Bewegungen zum Empfinden von Freude und wechselseitiger Sympathie führen, z.B. wenn Menschen gemeinsam klatschen. In vielen anderen sozialen Interaktionen spielt synchrones Handeln jedoch scheinbar eine weniger zentrale Rolle, etwa wenn Mitglieder eines Teams mit verschiedenen Kompetenzen zusammenarbeiten müssen, um eine Aufgabe zu lösen.

Forscher des Max-Planck-Institutes für empirische Ästhetik und der Universität Aarhus in Dänemark haben untersucht, unter welchen Bedingungen nicht-synchrones Verhalten in Teams zu besseren Resultaten und größerer subjektiver Zufriedenheit führt als synchrones.

Zum Zweck der Studie wurden Teams aus je zwei Studienteilnehmern/innen gebildet. Alle Zweier-Teams erhielten die Aufgabe, aus vorgegebenen Bauklötzen “funktionale und ästhetisch ansprechende” Modellautos zusammenzusetzen. 

Die Hälfte der Teams baute die Modellautos unter egalitären Bedingungen; jedes Teammitglied konnte gleichwertig über den Bauprozess mitbestimmen. Die andere Hälfte arbeitete unter hierarchischen Bedingungen, in denen einem der beiden Teammitglieder die Rolle des Chefdesigners zufiel, während das andere Mitglied lediglich assistieren durfte. Die Handbewegungen der Teammitglieder während des Bauprozesses wurden aufgezeichnet.

Teams in der egalitären Bedingungen zeigten eine geringere Synchronizität der Handbewegungen, bauten aber größere und ästhetisch ansprechendere Modellautos. Zudem hatten sie mehr Spaß während des Bauens und waren zufriedener mit der Kooperation. 

Teams in der hiearchischen Bedingung zeigten höhere Synchronizität in ihren Handbewegungen und berichteten, weniger Spaß gehabt zu haben und waren weniger zufrieden mit der Kooperation. Gleichzeitig bauten sie vergleichsweise schlechtere Modellautos.


Bei Teams mit komplexeren Aufgabenstellungen scheint also eine arbeitsteilige, nicht-hierarchische und nicht-synchrone Koordination sowohl bessere Resultate zu erbringen als auch subjektiv als zufriedenstellender erlebt zu werden als synchronisierte Bewegungsabläufe unter einer hierarchischen Vorgabe.

 

Originalpublikation:

Wallot, S., Mitkidis, P., McGraw, J. J., & Roepstorff, A. (2016). Beyond Synchrony: Joint Action in a Complex Production Task Reveals Beneficial Effects of Decreased Interpersonal Synchrony. PLoS ONE, 11, e0168306. doi:10.1371/journal.pone.0168306

 

Kontakt:

Sebastian Wallot, Ph.D.
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt am Main

+49 69 8300479-125

sebastian.wallot@aesthetics.mpg.de

  

Dr. Anna Husemann
Forschungskoordination/PR
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt am Main

+49 69 8300479-650

anna.husemann@ae.mpg.de