02. Januar 2023

Emeritierung von Gründungsdirektor Winfried Menninghaus

Von 2013 bis Ende 2022 war Winfried Menninghaus Direktor der Abteilung Sprache und Literatur am MPIEA.

Von 2013 bis Ende 2022 war Winfried Menninghaus Direktor der Abteilung Sprache und Literatur am MPIEA.

Am 31.12.2022 endete die Amtszeit von Winfried Menninghaus am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik. 2013 wurde er als einer der Gründungsdirektor:innen an das Institut berufen. Er leitete seither die Abteilung Sprache und Literatur. Diese wurde, wie in der Max-Planck-Gesellschaft üblich, mit seiner Emeritierung wieder geschlossen.

Winfried Menninghaus‘ Forschungen an unserem Institut galten primär den ästhetisch relevanten Merkmalen sprachlicher Äußerungen und Texte und den Mechanismen ihrer kognitiven, emotionalen und ästhetischen Wirkung in Gedichten, Prosa und Alltagssprache. Ein besonderer Akzent wurde dabei auf die von Roman Jakobson als „Parallelismen“ bezeichneten repetitiv-variierenden Muster in Phonologie, Morphologie und Syntax ästhetischer Sprache gelegt. Diese Muster und ihre Wirkungen wurden in Menninghaus‘ Abteilung erstmals in umfassenderer Weise empirisch untersucht. Auch alte Spekulationen zur Affinität von Gedichten und Liedern mit Rücksicht auf melodische Muster konnten multi-methodisch auf eine neue Grundlage gestellt werden.

Über das engere Gebiet der Ästhetik der Sprache hinaus hat Menninghaus‘ Abteilung eine Fülle theoretischer und empirischer Studien insbesondere zu den Eigenschaften und Wirkungen von Gefühlen publiziert, die im Sinne von Kants Theorie „ästhetischer Gefühle“ ästhetisches Gefallen bedingen. Dabei stand unter anderem das zuvor kaum untersuchte Konstrukt des ‚emotionalen Bewegtseins‘ einschließlich seiner physiologischen Korrelate („chills“, Gänsehaut) im Vordergrund. In diesem Zusammenhang wurde auch das seit der Aristotelischen Tragödientheorie vielfach diskutierte ‚Paradox‘ der Lust an negativen Gefühlen einer neuen psychologisch-ästhetischen Erklärung zugeführt.
Winfried Menninghaus hat 1979 an der Universität Marburg mit einer Studie zu Walter Benjamins Theorie der Sprachmagie und Paul Celans Lyrik promoviert. Neben Studien zu Shakespeare, Goethe, Klopstock, Hölderlin, Kafka, Ludwig Tieck, Gottfried Keller und anderen Autoren hat er auch umfassende Bücher zur Philosophie der Schönheit und des Ekels veröffentlicht.

Von 1985 bis 1989 war Winfried Menninghaus zunächst Hochschulassistent und anschließend bis 2013 Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft am heutigen Peter Szondi-Institut der Freien Universität Berlin. Er hatte auch Angebote für „Distinguished Senior Professorships“ an den Universitäten Yale und Princeton. 2007 begründete Winfried Menninghaus an der Freien Universität Berlin den Forschungscluster „Languages of Emotion“, an dem über 20 verschiedene Disziplinen beteiligt waren. In diesem Kontext begann er seine interdisziplinären empirischen Forschungen zur Ästhetik der Sprache.

2013 wurde er gemeinsam mit Melanie Wald-Fuhrmann als Gründungsdirektor an das MPI für empirische Ästhetik berufen. Von April 2015 bis März 2017 war er Geschäftsführender Direktor des noch jungen Instituts. In dieser Zeit hat er sich auch sehr dafür eingesetzt, dass der frühere Standort der Dondorfschen Druckerei in Frankfurt-Bockenheim der künftige Standort des Instituts wird.


 

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