14. November 2022

Die Traurigkeit in Callas’ Stimme

Klaus Scherer während seines Vortrags "Aesthetic Emotions Evoked by Musical Performance" (Bild: MPI für empirische Ästhetik / F. Bernoully)

Musik und Emotionen – dass es da einen Zusammenhang gibt, haben die meisten wohl selbst schon erlebt. Doch wie funktioniert diese Übertragung? Mit dieser Thematik beschäftigt sich Klaus Scherer, Emotionspsychologe und emeritierter Professor an der Universität Genf. Knapp 100 Zuhörer:innen verfolgten seinen Vortrag bei unserer dritten Fechner Lecture am 9. November vor Ort und online.

Klaus Scherer promovierte 1970 an der Harvard University. Nach Lehrtätigkeiten an der University of Pennsylvania, Philadelphia, und der Universität Kiel wurde er als Professor für Sozialpsychologie an die Universität Gießen berufen. An der Universität Genf, Schweiz, gründete und leitete er schließlich das Swiss Center for Affective Sciences. Im Fokus seiner vielfältigen Forschung im Feld der ästhetischen Emotionen stehen heute der Emotionsausdruck der Stimme und die Wirkung starker Gefühlsgebärden in Theater- und Operngesang.  

Zum Einstieg seines Vortrags skizzierte Scherer die unterschiedlichen Emotionsfacetten und näherte sich anschließend der Frage, welche Mechanismen der starken emotionalen Wirkung des Gesangs zugrunde liegen. Neben den Thesen Charles Darwins und Hermann Helmholtz’, griff Scherer auch Johann Gottfried Herders Sprachverständnis auf. Audiospuren und Videos von Operngesängen begleiteten seine interaktive Vortragseise und legten Scherers persönliche Begeisterung für sein Forschungsthema offen.

Dass dieses Feld voller Fragen ist und bleibt, legte Scherers Ausblick nach einer Fragerunde mit dem Publikum nahe. Details zur Erforschung nicht-westlicher Musik oder emotionale Reaktionen von Tieren auf Musik müssten empirisch weiter erforscht werden, so der Referent auf Nachfragen aus dem Publikum.

Zur Fechner Lecture lädt das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik einmal jährlich international führende Wissenschaftler:innen nach Frankfurt am Main ein, um in einem großen, öffentlichen Festvortrag spannende Themen aus der Ästhetikforschung zu präsentieren. Nach zwei pandemiebedingten Pause-Jahren freuten sich alle Beteiligten, die diesjährige Fechner Lecture wieder einem kleinen geladenen Publikum in Präsenz zugänglich zu machen. Interessierte konnten sich bei dem hybrid stattfindenden Event darüber hinaus online beteiligen.

Wir freuen uns auf das nächste Fechner-Highlight!