09. Januar 2026

Wie unser Gehirn die unmittelbare Zukunft vorhersagt

Illustration eines boxenden Mannes in Seitenansicht. Neben dem Kopf befindet sich ein Diagramm. Auf einer Zeitachse von 0 bis 3 Sekunden sind mehrere glockenförmige Kurven dargestellt. Oberhalb der Achse sind blaue Kurven, daneben die Überschrift „scale-free anticipation“ („Skalenfreie Antizipation“). Unterhalb der Achse befinden sich rote bis orange Kurven, daneben steht der Begriff „reaction“ („Reaktion“).

Eine neue Studie erklärt, wie das Gehirn vorhersagt, wann etwas passieren wird. (Illustration: Ernst Strüngmann Institut der Max-Planck-Gesellschaft)

Eine Studie von Neurowissenschaftlern des Ernst Strüngmann Instituts der Max-Planck-Gesellschaft in Frankfurt am Main, der Goethe-Universität Frankfurt am Main, des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik in Frankfurt am Main und der New York University in New York City, USA, erklärt, wie das menschliche Gehirn den Zeitpunkt zukünftiger Ereignisse vorhersagt. Die Ergebnisse der Studie sind kürzlich in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen.

Die Forschung zeigt, dass das Gehirn kontinuierlich einschätzt, wie wahrscheinlich es ist, dass etwas innerhalb der nächsten drei Sekunden passiert – und diese Einschätzung nutzt, um schnelle und genaue Reaktionen vorzubereiten. Denn Menschen reagieren auf eine Umwelt, die sich fortlaufend und mit unterschiedlicher Geschwindigkeit verändert.

Ein Videospieler beispielsweise reagiert auf Ereignisse auf dem Bildschirm, die innerhalb von Millisekunden oder erst nach mehreren Sekunden eintreten. Ein Boxer antizipiert die Aktionen seines Gegners, selbst wenn dieser schneller oder langsamer agiert als frühere Kontrahenten. In all diesen Situationen sagt das Gehirn voraus, wann etwas geschehen wird, bereitet sich auf zukünftige Ereignisse vor und passt sich dadurch flexibel an die neue Situation an.

Das Gehirn verfügt also über die Möglichkeit, zu antizipieren, was geschehen wird. Die aktuelle Studie erklärt nun, wie das Gehirn vorhersagt, wann etwas passieren wird, sodass Menschen schneller und genauer reagieren können.
 

Originalpublikation:

Grabenhorst, M., Poeppel, D. & Michalareas, G. (2026). The Anticipation of Imminent Events is Time-Scale Invariant. Proceedings of the National Academy of Sciences. https://doi.org/10.1073/pnas.2518982123

Quelle und weiterführende Informationen:

Ernst Strüngmann Institut der Max-Planck-Gesellschaft


 

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